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Springers neue Digitalstrategie: Zum Erfolg verdammt

Gestern schlug die Bombe ein – der Axel Springer Verlag verkauft das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost und alle TV- und Freuenzeitschriften. Nur knapp 920 Millionen Euro zahlt die Funke Mediengruppe für dieses umfangreiche Paket.

Kritik am Verkauf

Gerade das Hamburger Abendblatt und die Hörzu zählen zu den ureigensten Springer Medien. Ab dem 01. Januar sind sie nicht mehr Teil des Medienkonzerns. Dies kann man natürlich negativ sehen, wie es etwa Michael Spreng tut. Man kann Springer Ideenlosigkeit vorwerfen, wie es Markus Brauck bei Spiegel Online tut.

Generell scheinen die Mitarbeiter und Journalistenverbände den Verkauf kritisch zu sehen. Das ist völlig logisch, schließlich geht es um Arbeitsplätze. Deshalb kritisieren viele Medien den Deal auch – es geht schließlich um ihre Kollegen. Und vielleicht auch irgendwann um ihren Arbeitsplatz.

Content is King

Content galt lange Zeit im Internet als äußerst wichtig. Inzwischen sind es aber dienstleistungsangebote, die mehr Geld bringen – zumindest bei Springer. Die Preissuchmaschine Idealo oder die Werbeplattform Zanox sind daher attraktiver als die „Bild der Frau“.

Inhalt ist aber noch etwas Wert – leider hat der Axel Springer Konzern diesen Wert aber nicht erkannt. Man wolle nichts verschenken sagte etwa Springer-Vorstand Mathias Döpfner. Beim Abendblatt und bei der Morgenpost wurden so etwa 2009 Bezahlschranken („Paywalls“) eingeführt. Der Erfolg blieb aus. Dennoch versucht man es auch bei der Welt (seit 2012) und seit kurzer Zeit bei der Bild (Bild Plus). Zahlende Kunden – kaum. Kosten – hoch. Werbeeinnahmen – sinken. Das ist eine verfehlte Online-Strategie.

Springer hat es also nicht geschafft, den eigenen Content im Internet vernünftig zu vermarkten. Gerade mit exklusiven lokalen Inhalten hätte man punkten können. Ist aber nicht passiert. Also hat man die Printtitel verkauft – inklusive der tatsächlich wenig zeitgemäßen Fernsehzeitschriften.

Digital is King

Trotz der völlig falschen Digital-Strategie bei den Zeitungen sieht sich Springer nun als Medienhaus 2.0. Hier ist man tatsächlich auf einem guten Weg. Aktuell werden bereits knapp die Hälfte der Erlöse aus dem Digitalgeschäft erwirtschaftet – rund zwei Drittel der Werbeerlöse stammen aus dem Internet. Somit ist der Schritt zu einem Digitalunternehmen konsequent. Einen ähnlichen Wandel machen momentan etwa AOL und Yahoo durch.

Riskant ist diese Digital-Strategie eigentlich nicht. Springer ist schließlich bereits heute ein großer Player im Online Business. Die Online-Ausrichtung ist somit weitaus weniger riskant, als die Beibehaltung der jetzt verkauften Zeitungen und Magazine. Hinzu kommt, dass insbesondere in Osteuropa noch viele digitale Projekte verwirklicht werden könnten – in vielen Regionen ist Springer schon mit eigenen Niederlassungen vertreten. Es bleibt nur zu hoffen, dass man bei Springer nicht wieder auf ähnliche Gedanken wie bei den Paywalls kommt.

Wandel is King

Unternehmen überleben nur, wenn sie in der Lage sind, sich zu wandeln. Springer hat dies nun sehr radikal getan. Wandel ist notwendig, um neue Märkte zu erschließen – einen Bestandsschutz für alte Produkte kann es also nicht geben. Dass es noch über 920 Millionen Euro gab und sogar Fernsehzeitschriften verkauft werden konnen, spricht für Springer. Denn wer wird bitte in zehn Jahren noch eine Fernsehzeitschrift wollen?

Das Internet wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Eine Ausrichtung auf neue Medien ist daher für Springer richtig. Es bleibt abzuwarten, ob auch neue Produkte entwickelt oder eingekauft werden und ob diese erfolgreich sein können. Im Internet ist Springer nun zum Erfolg verdammt.

Bildnachweis: Assenmacher via Wikimedia Commons