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95. Landesparteitag der FDP Hamburg: Kritische Analyse, Gewinner und Verlierer

Der letzte Parteitag der FDP Hamburg war mein erster Parteitag überhaupt und als Delegierter. Es war in jedem Fall interessant zu sehen, was dort passiert ist. Ich möche bei den Wahlen (Freitag) beginnen. Als Landesvorsitzende kandidierten Sylvia Canel und Katja Suding. Beide haben leider schon vor der Wahl eine Schlammschlacht begonnen, sowohl in der Presse als auch bei ihren Vorstellungsreden. Das ist schade, denn so bringt man eine Partei bestimmt nicht nach vorne.

Inhaltlich waren beide Vorstellungsreden ziemlich dünn. Ich weiß bis heute nicht, was beide Kandidatinnen inhaltlich unterscheidet. Das sieht auch die Presse so. Beide haben bei mir den Eindruck hinterlassen, als sei ihnen ein Posten lieber als inhaltliche Arbeit. Ob das zutrifft, bleibt abzuwarten.

Gewählt wurde Sylvia Canel, überraschend deutlich. Allgemein wurden mehrere Gründe für den Wahlsieg genannt. Einmal die Ämtertrennung innerhalb der Partei und einmal dass Suding Canel unterschätzt hat. Ich sehe aber noch einen dritten Grund für den Sieg von Sylvia Canel: Ihr umfangreiches Netzwerken in die Partei. Sie nimmt – im Gegensatz zu Katja Suding – an vielen Terminen der Parteibasis teil. An Kreissitzungen, Festen, Aktionen usw. Katja Suding tritt innerhalb der Partei kaum auf. Ich kann das für mich persönlich auch quantifizieren: Suding habe ich im letzten halben Jahr einmal die Hand geschüttelt, Canel habe ich bestimmt 10 bis 15 mal getroffen. Das macht schon einen erheblichen Unterschied.

Es ist verständlich, dass das Team von Katja Suding nach der Wahl von Canel einen kollektiven Rückzug angetreten hat. Finn Ole Ritter, Petra Wichmann-Reiß und Gerhold Hinrichs-Henkensiefken haben nicht mehr für weitere Vorstandsämter kandidiert und den Raum verlassen. Damit steht der Landesvorstand gegen die Fraktion. Obwohl Suding und Canel vor der Wahl beide von Einigkeit und Zusammenarbeit gesprochen haben, zeigte sich schnell, dass dies nur leere Versprechungen waren. Leider.

Es bleibt zu hoffen, dass sich beide zusammenreißen und den Erfolg der Partei über persönliche Abneigungen stellen. Ob das tatsächlich passiert, ist aber noch völlig offen.

Am Samstag wurden viele Anträge behandelt und beschlossen, zwei Anträge zu den Energienetzen gingen schon am Freitag durch. Bemerkenswert war allgemein, wie wenig Anträge von den Landesfachausschüssen eingebracht wurden (6, nur von den LFAs Bildung und Soziales). Aus den Reihen der Bürgerschaftsfraktion kamen nur zwei Anträge, davon einer, der einfach nur unnötig war.

Das bürgerschaftsnahe Team Katja Suding hatte einen Antrag zum Thema „Stablies Europa“ gestellt und darin unter anderem die Verankerung der Geldwertstabilität im Grundgesetz gefordert. Dieser Antrag wurde von allen Seiten regelrecht zerrissen. Man stelle sich einmal vor, die Antragssteller dieses Antrags (Suding, Ritter, Wichmann-Reiß, Hinrichs-Henkensiefken, Kruse, Bläsing) hätten den neuen Landesvorstand gestellt. Dann wäre gleich am nächsten Tag ihr Antrag komplett zerrissen worden. Das ist einfach nur ungeschickt, um es einmal milde auszudrücken. Noch viel ungeschickter ist es, dass dieser Antrag an den Landesvorstand verwiesen wurde und so durchaus auf einem nächsten Parteitag nochmal auftauchen könnte. Was bitte soll das? Warum haben die den Antrag nicht einfach zurückgezogen und beerdigt?

Von den JuLis kamen drei Anträge, wovon einer („Liberale Raumpolitik“) zurückgezogen wurde, weil schon im Voraus zu viele Bedenken angemeldet worden waren und wir keine Lust hatten, uns massiv auf dem Parteitag zerreißen zu lassen. Dafür wurde der Antrag zum Thema „Energienetze“ mit einem anderen zusammengelegt und beschlossen.

Absurderweise wurde unser JuLi-Antrag zum Thema Trennung von Staat und Religion mit der Begründung vertagt, dass er den Bundestagswahlkampf gefährden könne. Dabei war er am Anfang des Parteitags im Alex-Müller-Verfahren ganz weit nach vorne gewählt worden. Wir sehen den Antrag dann wohl im Herbst wieder. Es sei denn, er wird auch dann wegen der bevorstehenden Wahlen vertagt.

Insgesamt enttäuschend – gerade im Hinblick auf die Bürgerschaftswahl in zwei Jahren – war, dass die meisten Anträge sich nur mit Themen befasst haben, die entweder äußerst detailliert waren oder nicht für Hamburg relevant (z.B. Thema Ungarn oder 90 Euro für Behinderte zur Haushaltsführung). Wenn man sich gut auf die Bürgerschaftswahl 2015 vorbereiten möchte, sollten langsam mal größere, konkrete inhaltliche Konzepte her. Nun aber zu den Gewinnern und Verlierern.

Gewinner

Sylvia Canel
Sie hat es geschafft, sich gegen Katja Suding durchzusetzen. Ihr Networking in die Partei hat sich ausgezahlt. Ihre Telefonliste wohl auch (ich wurde von ihrem Büro einige Stunden vor dem Parteitag angerufen, habe aber natürlich keine Zusage für eine Stimme gegeben).

Burkhard Müller-Sönksen
Hätte Suding gewonnen, wäre sein Bundestagsmandat in ernster Gefahr gewesen. So kann er sich nun in Ruhe ansehen, wie Suding und Canel sich gegenseitig das Leben schwer machen. Deshalb hat er – trotz vorheriger Gedankenspiele – nicht für den Landesvorstand kandidiert. Sehr geschickt.

JuLis
Vier Mitglieder des neuen Landesvorstands sind JuLis, darunter Benjamin Schwanke als stellvertretender Landesvorsitzer, Daniel Oetzel als JuLi-Kandidat für einen Beisitzer und Jennifer Dutschke und Sebastian Liebram als Beisitzer. So viele JuLis waren schon lange nicht im Landesvorstand.

Dirk Ahlers & Co.
Sylvia Canel steht eindeutig positiv zum Mitgliederentscheid, der eine Abschaffung des Delegiertensystems fordert. Weitere Befürworter sind in jedem Fall Benjamin Schwanke und Dieter Lohberger. Daher wird der Landesvorstand wohl konstruktiv an das Thema herangehen.

Verlierer

Katja Suding
Wenig Inhalt, wenig Arbeit in die Partei. Das rächt sich nun. Einfach nur zu hoffen, dass Pressearbeit ausreichend ist, um die Parteibasis auf ihre Seite zu bekommen, ist halt nicht ausreichend. Auch inhaltlich muss da mehr kommen. Einfach nur den Senat zu kritisieren, aber selber keine visionären Konzepte für ein besseres Hamburg zu haben, ist halt etwas mau. Aber: Sie ist jung und lernt hoffentlich daraus.

Bürgerschaftsfraktion
Was für Katja Suding gilt, gilt fast 1:1 für die Bürgerschaftsfraktion. Es kommt halt nicht gut an, wenn man die Parteiarbeit über zwei Jahre teilweise sträflich vernachlässigt und dann hofft, dass alle für einen stimmen. Noch wäre Zeit für eine bessere strategische und inhaltliche Positionierung und die Zusammenarbeit mit der Partei (Stichwort: Landesfachausschüsse).

Team Katja Suding
Es ist verständlich, dass niemand mehr nach der Wahl von Sylvia Canel kandidieren wollte. Okay. Aber sich dann noch mit einem Antrag zu versenken (Geldwertstabilität ins Grundgesetz) ist nun wirklich ungeschickt. Da kommt dann mal ein Antrag, der dann aber gleich zeigt, wie wenig Ahnung man von einem Thema hat. Unfassbar. Hoffentlich ziehen alle Beteiligten ihre Lehren daraus. Es hätte ja noch schlimmer kommen können.

FDP Hamburg
Weil es so schön ist, leistet sich die FDP Hamburg vor vielen wichtigen Wahlen wohl einmal wieder eine Schlammschlacht. Na toll. Sehr kompetent und überzeugend.

Inhalte
Arbeit in den meisten Landesfachausschüssen: Fehlanzeige oder wenig. Lücken im Wahlprogramm: Sehr viele. Vernetzung Partei und Fraktion: wenig. Dazu kommt, dass Müller-Sönksen nicht möchte, dass die Landesfachausschüsse während des Wahlkampfes für den Bundestag tagen – also bis Ende September. Dazu kommt auch, dass Canel ankündigt, im Landesvorstand inhaltlicher zu arbeiten. Da fragt man sich doch, was dort vorher (nicht) passiert ist. Wozu wählen wir eigentlich Kandidaten, wenn die keine Inhalte vertreten? Die Zeit wird langsam knapp.

Transparenz
Man kann seinen Landesparteitag von mir aus im abgelegensten Winkel von ganz Hamburg abhalten. Man kann ihn auch dort abhalten, wo es keine Parkplätze und keinen ÖPNV gibt. Okay. Aber das dazu noch kommt, dass es dort kein W-Lan und kein UMTS-Handynetz (weder bei T-Mobile, noch bei Vodafone, O2 oder E-Plus) gab, ist schon problematisch. Das Internet bietet einem die Möglichkeit von Transparenz via Facebook, Twitter, Blogs, etc. Ich persönlich hatte große Probleme mit meinem Liveblog, wei schlicht und einfach immer wieder das Handynetz zusammenbrach. Schade. Und so viel auch zur Internetkompetenz der FDP Hamburg.

Fazit: Fehler sind immer auch Lernchancen, wie Pädagogen sagen würden. Dieser Parteitag hat zu vielen Lernchancen geführt. Hoffentlich werden diese auch angenommen. Ich persönlich hoffe, dass der Landesvorstand und die Bürgerschaftsfraktion eine Zusammenarbeit arrangieren können. Glauben tue ich das aber erst, wenn ich es sehe.

Liveblog vom Landesparteitag der FDP Hamburg Teil 2 (April 2013)

Hier der zweite Teil des Liveblogs. Um 9:30 Uhr soll es losgehen. Für den Liveblog auf den Titel des Beitrags oder hier klicken. Zum Liveblog von gestern geht es hier.

Liveblog vom Landesparteitag der FDP Hamburg (April 2013)

Dies ist (oder wird) der Liveblog zum Landesparteitag der FDP. Ab ca. 17 Uhr geht es los, wenn der Parteitag beginnt. Wenn kein Liveblog zu sehen ist, einfach oben auf den Titel des Beitrags oder hier klicken. Bei Fragen einfach einen Kommentar ganz unten schreiben, ich bemühe mich, schnellstmöglich zu antworten.

Vorschau FDP-Landesparteitag in Hamburg + Ankündigung Liveticker

Morgen startet der FDP-Landesparteitag in Harburg. Für mich wird das der erste Parteitag, an dem ich teilnehme. Anfang des Jahres bin ich als Delegierter gewählt worden und habe deshalb sogar Stimmrecht. Ich werde versuchen, an beiden Tagen des Landesparteitags einen Liveticker hier in meinem Blog anzubieten. Ob das für die komplette Dauer des Parteitags funktioniert, hängt vor allem davon ab, ob es am Veranstaltungsord eine Stromversorgung für mein Notebook gibt. Vier bis sechs Stunden hält der Akku, für den Freitag wird das also ausreichend sein. Beim Samstag muss ich im Notfall improvisieren.

Es wird auf jeden Fall spannend. Für den Landesvorsitz kandidieren die bisherige Landesvorsitzende Sylvia Canel und die Fraktionsvorsitzende der Bürgerschaftsfraktion Katja Suding. Auch bei den anderen Posten im Landesvorstand der FDP erwarte ich Kampfkandidaturen. Von den aktuellen stellvertretenden Landesvorsitzenden erwarte ich Kandidaturen von Finn-Ole Ritter und Petra Wichmann-Reiß. Außerdem kandidiert Benjamin Schwanke und wohl auch Burkhardt Müller-Sönksen. Es ist gut möglich, dass es weitere Kandidaturen geben wird.

Für den Posten des Schatzmeisters wird wohl der bisherige Amtsinhaber Gerhold Hinrichs-Henkensiefken wieder kandidieren, ob es hier einen Gegenkandidaten gibt, weiß ich nicht. Überraschen lasse ich mich bei den Beisitzern, hier wird es sicherlich auch Kampfkandidaturen geben.

Für die Demokratie in der FDP sind Kampfkandidaturen gut, denn ein abgekartetes Spiel wäre in meinen Augen problematisch. Ich hoffe nur, dass Schlammschlachten ausbleiben und der neue Landesvorstand die FDP Hamburg gut in die nächsten Wahlen führen wird. Schließlich stehen sowohl die Bezirkswahlen 2014 als auch die Bürgerschaftswahlen 2015 an. Ich erhoffe mir vom neuen Vorstand außerdem eine bessere Vernetzung zwischen Partei und Bürgerschaftsfraktion, sowie eine (verbesserte) programmatische Arbeit.

Damit bin ich bei den Anträgen angelangt. Insgesamt 20 stehen auf der Tagesordnung, von zweien (S01/13 und S02/13) weiß ich, dass sie zurückgezogen worden sind. Ob wir aber alle Anträge schaffen werden, wage ich zu bezweifeln. Zu den drei Anträgen der JuLis hatte ich schon einiges geschrieben, ich persönlich bin noch an einem vierten Antrag zur „Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“ beteiligt.

Was der Parteitag bringen wird, erfahren wir alle am Wochenende. Ich hoffe, der Liveticker funktioniert gut und informiert so auch alle Interessierten im Netz. Infos wird es vielleicht bei Twitter geben, ich schätze, der Hashtag wird #fdplpt lauten. Schauen wir mal.

FDP Eimsbüttel: Ergebnisse der Bezirksvorstandswahlen

Am Freitag wurde der Bezirksvorstand der FDP Eimsbüttel gewählt. Der bisherige Vorstand wurde ohne Gegenstimmen entlastet und wurde dann neu gewählt. Insgesamt 29 stimmberechtigte Mitglieder waren anwesend, außerdem noch einige Gäste. Katja Suding hatte sich auch angekündigt, konnte aber kurzfristig wegen terminlicher Probleme nicht kommen.

Hier die Wahlergebnisse in einer Tabelle. Die Kandidaten in Fettschrift wurden gewählt:

Position Kandidat Ja Nein Enth. Ungültig Gesamt
Bezirksvorsitzender Lutz Schmidt 29 0 0 0 29
Stellv. Bezirksvorsitzender Jens Meyer 28 0 1 0 29
Schatzmeister Daniel Barta
Hannelore Krüger
11
18
0 0 0 29
Beisitzer Daryuch Bahramsoltani
Daniel Barta
Albert Hinrichs
Jan-Philip Krienke
Klaus Krüger
Friederike von der Mosel
20
18
16
12
24
22
0 0 0 29
Vertreter der JuLis Barnabas Crocker 27 0 1 0 28

Im Gegensatz zum alten Bezirksvorstand haben sich damit einige Änderungen ergeben. Nicht mehr mit dabei ist Benjamin Schwanke, der Schatzmeister war, aber nicht erneut kandidiert hat. Jan-Philip Krienke wurde als Beisitzer nicht wiedergewählt. Bei den JuLis ersetze ich Gregor Kaiser, der aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidiert hat.

Es hat keinen radikalen Schnitt gegeben, sondern nur graduelle Veränderungen. Damit ist der Bezirksverband gut für die nächsten Wahlen aufgestellt. In diesem Jahr ist ja bereits die Bundestagswahl, im nächsten Jahr die Bezirkswahl und die Europawahl und Anfang 2015 dann auch noch die Bürgerschaftswahl. Auf den neuen Bezirksvorstand wartet also viel Arbeit.

LMV der JuLis Hamburg – Nachbetrachtung und Ergebnisse

In einer über vier Stunden langen Sitzung mit vielen Wahlen, Kandidaten und nur wenigen inhaltlichen Beschlüssen haben wir JuLis aus Hamburg unseren Landesverband neu aufgestellt (den Liveblog zum nachlesen gibt es hier). Positiv war die harmonische Stimmung, denn alle haben immer wieder betont, gemeinsam an der Zukunft des Landesverbandes arbeiten zu wollen. Ich persönlich hoffe, dass das nicht nur leere Floskeln sind.

Das wohl interessanteste Ergebnis ist das der Landesvorstandswahl. Hier gab es folgendes Ergebnis:

  • Landesvorsitzender: Daniel Oetzel (auch JuLi-Kandidat für den FDP-Landesvorstand)
  • Stellvertretender Landesvorsitzender (Programmatik): Barnabas Crocker (also ich)
  • Stellvertretender Landesvorsitzender (Öffentlichkeitsarbeit): Andreas Moring
  • Stellvertretender Landesvorsitzender (Organisation): Eric de Vries
  • Schatzmeister: Benjamin Schwanke
  • Beisitzer: Janina Krause
  • Beisitzer: Wolfgang Schwan
  • Beisitzer: Lukas Zöllner
  • Beisitzer: Nicola Ilic

Mit Eric de Vries, Janina Krause und Lukas Zöllner sind drei Mitglieder in den Landesvorstand aufgenommen worden, die dort noch nie tätig waren. Ich selber bin schon vorher im Vorstand gewesen, aber nur für etwa drei Monate. Nicola verdient meinen Respekt, da er als Beisitzer kandidiert hat, obwohl er als Landesvorsitzender nicht gewählt wurde. Aus dem alten Vorstand nicht wieder gewählt wurden Finn Ole Ritter (nicht wieder angetreten), Monika Marcu (Wahlgang verloren gegen Eric) und Christian Gniech (nicht wieder angetreten). Ich denke, der neue Vorstand ist ein guter Mix aus erfahrenen und neuen Kräften, die alle motiviert sind, die JuLis in Hamburg nach vorne zu bringen.

Unsere fünf Delegierten zum Bundeskongress der JuLis sind folgende Personen geworden:

  • Daniel Oetzel
  • Michael Kruse
  • Barnabas Crocker
  • Benjamin Schwanke
  • Nicola Ilic

Stellvertreter sind (in dieser Reihenfolge, wenn ich das richtig notiert habe):

  • Eric de Vries
  • Wolfgang Schwan
  • Monika Marcu
  • Lukas Zöllner
  • Robert Bläsing

Ganz am Anfang der Veranstaltung wurde das Präsidium der Landesmitgliederversammlung gewählt:

  • Präsident: Michael Kruse
  • Vizepräsident: Robert Bläsing
  • Vizepräsident: Hendrik Korb

Außerdem wurden gewählt:

Revisoren:

  • Dennis Gehrmann
  • Nils-Peter Timm

Landesschiedsgericht (auf zwei Jahre):

  • Vorsitzender: Oliver Jauch
  • Stellvertreter: Benedikt Straubinger
  • Stellvertreter: Tobias Nesemann

Ersatzrichter:

  • Finn Ole Ritter
  • Bruno Weber-Steinhaus

Das sind die Ergebnisse. Ich hoffe, alle Namen sind korrekt.

Wählen ab 16: Plädoyer für eine weitere Senkung des Wahlalters

Gerade hat die Bürgerschaft in Hamburg beschlossen, das Wahlalter für die nächsten Bürgerschaftswahlen auf 16 Jahre zu senken. Damit ist Hamburg nach Bremen und Brandenburg das dritte Bundesland, das das Wahlalter bei Landtagswahlen auf 16 Jahre gesenkt hat. Daneben gilt bei vielen Kommunalwahlen auch in anderen Bundesländern das niedrigere Wahlalter.

Für jeden Menschen in unserem Staat gelten die Grundrechte gleichermaßen. Kinder sind von ihrer Geburt an Staatsbürger – für sie gelten im Prinzip die gleichen Rechte wie für Erwachsene. Da sie sich in einer Entwicklung hin zu einem erwachsenen Menschen befinden, werden sie von Gesetzen besonders geschützt. Beispiele hierfür sind etwa die Strafmündigkeit (ab 14) und die Geschäftsfähigkeit (beschränkt, dafür aber schon ab sieben Jahren). Die vollen Rechte und Pflichten erhalten Personen in der Regel ab 18 Jahren.

Das Problem hierbei ist, dass wir einerseits Kindern in einem geschützten Raum schon in jungen Jahren einige Dinge zutrauen und sie mit zunehmendem Alter immer mehr Rechte und Pflichten bekommen. Andererseits gilt das nicht für das Wahlrecht, obwohl dies für Kinder von großer Bedeutung sein müsste, da sie, wenn sie wählen könnten, mit über die Politik entscheiden könnten, die ihre Zukunft beeinflusst.

Oft höre ich, dass Kinder noch nicht reif sind, zu wählen, dass eine Wahlentscheidung eine zu hohe Verantwortung sei oder dass Kinder und Jugendliche überhaupt nicht Wählen wollen würden. Diese Argumente übergehen aber einen wichtigen Punkt: Die Festlegung des Wahlalters ist beliebig. Es gibt keinen besonderen Grund, warum gerade mit 18 die Volljährigkeit eintritt (früher waren es in Deutschland 25 oder 21 Jahre). In einigen Ländern liegt sie bereits jetzt niedriger, in Schottland und Nepal beispielsweise bei 16 Jahren.

Gleichzeitig hätte man eine Obergrenze für das Wahlalter einführen können, was aber bislang kein mir bekanntes Land gewagt hat. Hier könnte man ähnlich dafür argumentieren: Warum sollten alte Menschen noch über ihre Zukunft entscheiden, wenn sie den größten Teil ihres Lebens bereits hinter sich haben? Lassen sich alte Menschen nicht vielleicht leicht beeinflussen? Können sie überhaupt noch klar denken? Was in diesem Fall zynisch klingt, zeigt, wie zynisch die Debatte von Gegnern des Jugendwahlrechts teilweise geführt wird. Hinzu kommt, dass die Argumente gegen das Wahlrecht von alten Menschen sich durchaus im passiven Wahlrecht niederschlagen – für einige Ämter gibt es Altersobergrenzen von 65 oder 68 Jahren.

Die Grenzen des Wahlalters sind also beliebig. Es kann also durchaus sehr gut informierte Zwölfjährige geben, die gerne wählen möchten, dies aber nicht können. Gleichzeitig kann es schlecht informierte halb-demente Senioren geben, die noch wählen könnten, es aber nicht mehr tun. Und umgekehrt ist es natürlich auch möglich: Desinteressierte, destruktive Jugendliche versus aktive, fitte und interessierte Senioren. Kann man sich nun also anmaßen, darüber zu entscheiden, wer wählen darf und wer nicht?

Hinzu kommt noch ein schlagendes Argument für das Wahlrecht für Jugendliche. Sie sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die flächendeckend Politikunterricht bekommt. Und genau diese Gruppe wird von den Wahlen ausgeschlossen. Was dem Thema noch eine absurdere Note gibt ist, dass sich dann viele Erwachsene wundern, warum sich Kinder und Jugendliche so wenig für Politik interessieren und warum die Parteien so wenig junge Mitglieder haben. Warum sollten sich junge Leute für etwas aufreiben, was sie selber nur als Beobachter begleiten dürfen? Warum dürfen sie ihre Zukunft durch Wahlen nicht selber mitgestalten?

Die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre kann nur ein Anfang sein. Eigentlich müssten alle Bürger, die wählen möchten, wählen können. Unabhängig vom Alter. Wer sich zu jung oder zu alt oder nicht wahlfähig fühlt, kann ja einfach nicht an der Wahl teilnehmen. Wir sollten uns – im 21. Jahrhundert – wirklich fragen, ob wir die Jugend politisch weiter ausgrenzen möchten oder ob wir, wie beim Frauenwahlrecht etwa, irgendwann über unseren eigenen Schatten springen können. Am Ende sind Wahlaltergrenzen (im aktiven und passiven Wahlrecht) nur eins: Altersdiskriminierung.