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Die Startseite von Spiegel Online mit Adblocker

Kampagne gegen Adblocker von Medienseiten

Viele Leser haben am heutigen Tag sicher nicht schlecht gestaunt, als sie auf einigen Nachrichtenseiten einen großen Text zu lesen bekamen mit der Aufforderung den Adblocker zu deaktivieren. Mit dabe sind die Online-Angebote von SZ, FAZ, Spiegel, RP und Golem.

Adblocker sind – wie der Name es schon sagt – Werbeblocker. Im Internet kann man eine Werbung nicht einfach überblättern, wie in einer Zeitung oder in einem Magazin. Man kann sie aber technisch ausblenden. Für die Browser Firefox und Chrome gibt es optinale Erweiterungen, die die Werbung bequem entfernen (Erweiterung für Firefox, Erweiterung für Chrome). Der Nutzer bekommt so im Prinzip keine Werbung mehr zu sehen. Das ist praktisch, da es die Webseiten besser lesbar macht und zudem auf mobilen Geräten weniger von der kostbaren Bandbreite frisst.

Allerdings benötigen viele Webseiten Werbeeinnahmen. Ohne die geht es einfach nicht. Schließlich müssen die Inhalte, die Technik und viele andere Dinge mehr bezahlt werden. Da hilft die Werbung ungemein, denn eine Paywall ist auf Dauer sicher keine gute Lösung, auch wenn sich die Welt gerade an einem solchen Projekt versucht.

Das Problem der Online-Werbung ist, dass sie unglaublich nerven kann. Zumindest Golem verspricht seinen Lesern, keine nervige Werbung mehr einzusetzen. Keine Layer-Ads, keine Unterbrecherwerbung, keine Werbung mit Sound, keine Popups – das sind einige der Versprechen von Golem. Alle anderen versprechen – nun ja – nichts. Dabei vergessen sie, dass es Adblocker nur gibt, weil einige Online-Werbeformen einfach nur stören. Gegen Textanzeigen oder kleine Werbeflächen werden nur die wenigsten Nutzer etwas haben, aber gegen großflächige und nervend blinkende und laute Werbeflächen schon.

Leider verwenden alle an der Anti-Adblocker-Aktion beteiligten Seiten großflächige dynamische Werbebanner ganz oben auf ihrer Startseite. Menschen, die einen Bildschirm mit einer niedrigen Bildschirmauflösung haben, sehen so fast nichts von der Seite. Das ist ungefähr so, als würde der Spiegel die Hälfte seines Print-Titelblatts mit Werbung zupflastern. Das muss doch nicht sein. Außerdem gibt es teilweise einfach zu viele Werbeblöcke. Beim der RP habe ich auf einer einzigen Artikelseite neun Werbeblöcke gezählt (davon einer mit Ton), beim Spiegel sieben, bei der Zeit und Golem fünf, bei der FAZ vier.

Werbung auf einem Ausschnitt einer RP-Artikelseite

Werbung auf einem Ausschnitt einer RP-Artikelseite

Werbung kann und sollte Artikel ergänzen, sie sollte sie aber nicht verdrängen. Zur Werbung hinzu kommen oftmals Hinweise zu eigenen Produkten oder anderen Artikeln. Das erschwert das Lesen eines Artikels ungemein, ich persönlich mag es nicht, wenn ich mir einzelne Textschnipsel zwischen den ganzen Anzeigen heraussuchen muss. Man stelle sich einmal die Tagesschau vor, in der alle 30 Sekunden ein Werbeblock unterbrochen werden würde. Das würde sich doch niemand antun. Deshalb verabscheuen auch einige Leute Werbung generell.

Das sieht auch das Team von Adblock Plus so. Till Faida kritisiert die Online-Werbeindustrie in seinem Post: „Die Online-Werbeindustrie ist aber leider zu einem großen Teil noch nicht innovationsfreundlich genug, um sich auf Alternativen zu blinkenden Bannern einzulassen. Der Grund ist, dass viele das Internet nicht verstanden haben und einfach das Konzept der TV-Werbung (maximale Aufmerksamkeit erzeugen) kopieren. […] Wir rufen daher alle Websites, Verlage, Advertiser und Ad-Networks auf, sich dem Dialog zu stellen und Werbung nicht gegen, sondern für den Nutzer zu machen. Nur so können Menschen im Internet erreicht werden.“

Wenn also Werbung, dann nicht aufdringlich. Vielleicht eine Anzeige im Artikel, ein- oder zwei daneben und eine darunter. Dazu vielleicht einige Affiliate-Links im Artikel (wenn es denn thematisch passt) und die Einbindung von Service-Angeboten von Drittanbietern. Wer seinen wertvollen Content unter einer dicken Schicht von Werbung verdeckt, mag vielleicht kurzfristig viele Klicks generieren. Qualitativ hochwertig sind die aber nicht (ich habe bei der Anfertigung der Screenshots aus Versehen auf Anzeigen geklickt). Es gibt sicher noch mehr bessere Möglichkeiten, Werbung unterzubringen, etwa im Vorspann von Videos oder duch Gewinnspiele und andere Nutzer-Aktionen. Werbung ohne wirklichen Mehrwert für den Nutzer ist nur wenig wert.

Ich persönlich hoffe, dass die Adblocker-Aktion auch bei den Verlagen zu einem Umdenken führt. Sicher ist es aktuell kaum möglich, eine große Nachrichtenseite aus Werbeeinnahmen zu finanzieren, weil Onlinewerbung im Vergleich zu klassischen Werbeformen einfach zu billig ist. Angemessene Preise werden vielleicht nur eine Frage der Zeit sein – und eine Frage der qualitativ guten Vermarktung und Positionierung von Werbeplätzen. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Mein Adblocker bleibt – obwohl ich in meinem Blog selber Werbung einbinde.

[Edit] Inzwischen hat die Adblock-Community die Anti-Adblock-Einblendungen der Newsseiten blockiert. Bei Firefox muss eventuell der Filter manuell aktualisiert werden. (Firefox-Knopf – Add-ons – Adblock Plus – Einstellungen – Filtereinstellungen. Dort das Filterabonnement auswählen (z.B. EasyList) und rechts bei Aktionen „Filter aktualisieren“ wählen).

Leistungsschutzrecht: Wie konnte man nur?

Das Leistungsschutzrecht ist am Freitag durch den Bundestag gewunken worden. Auch wenn es in letzter Sekunde noch Änderungen am Gesetz gab, ist trotzdem weitestgehend ungeklärt, was mit dem Leistungsschutzrecht eigentlich genau geregelt wird. Das führt zu vielen Unsicherheiten und unterschiedlichen Ansichten, wie etwa Stefan Niggemeier zeigt. Bei Spiegel Online fühlt man sich dazu in der Lage, eine spekulative Analyse zu betreiben, die Zeit befürchtet, dass das Leistungsschutzrecht die Schwachen trifft und die FAZ stänkert weiter gegen Google.

Zuerst einmal begrüße ich ausdrücklich die sehr unterschiedliche Berichterstattung in den Medien zu diesem Thema. Lange wurde durch die Bank nur für das Leistungsschutzrecht argumentiert. Kritiker wurden kaum in den Medien genannt.

Allerdings besteht diese Meinungsvielfalt in den Medien vielleicht auch nur, weil nun wirklich unklar ist, was eigentlich geregelt wurde. Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen brachte es in einem Interview in der Welt etwas unfreiwillig auf den Punkt. Auf die Frage, ob Gerichte definieren sollten, was nun „kleinste Textausschnitte“ seien, antwortet er:

Unbestimmte Rechtsbegriffe haben immer gleichzeitig den Vorteil größtmöglicher Flexibilität in der Einzelfallbetrachtung und den Nachteil, dass sie im Streitfall von den Gerichten ausgelegt werden müssen. Dass die Grenzen der Auslegung von den Gerichten definiert werden, ist nach meinem Verständnis selbstverständlich und keinesfalls ein handwerklicher Mangel.

Diese Ansicht hat er in einer Facebook-Debatte bestätigt. Folgt man dem Gedanken, dann hat der Bundestag wissentlich ein Gesetz verabschiedet, dass eine massive Regelungslücke aufweist. Noch mehr: Das Gesetz führt nicht zu mehr Rechtssicherheit, sondern schafft einen komplett ungeregelten Freiraum für Interpretationen. Das werden definitiv Gerichte klären, da bin ich mir sicher.

Wie konnte man nur? Wie konnte vor allem die FDP als Partei der Bürgerrechte nur? Aus der gesamten FDP-Fraktion haben nur vier Abgeordnete gegen das Leistungsschutzrecht gestimmt, aus der CDU nur zwei. Selbst Siegfried Kauder hat dem Gesetz zugestimmt, obwohl er vor einigen Tagen noch ein scharfer Kritiker des Gesetzes und der überhasteten Abstimmung gewesen ist. (Alle Abstimmungergebnisse hier, die Abstimmung muss oben rechts bei „Alle Abstimmungen“ ausgewählt werden.)

Das Leistungsschutzrecht führt uns leider vor Augen, welche Macht die Presseverlage haben und wie gefährlich diese Macht ist. Wer glaubt, es gäbe einen unabhängigen Journalismus, der irrt. Die Presseverlage haben im Falle des Leistungsschutzrechts einen massiven Tabubruch begangen und ihre eigene Neutralität und ihren guten Ruf ihren wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Es waren nicht nur einzelne Verlage, sondern die große Mehrheit der bedeutenden Verlagshäuser, die den Bundestag zu diesem unsinnigen, unnötigen und gefährlichen Gesetz gedrängt haben.

Die Verlegerseite feiert dies Gesetz als großen Sieg, aber nicht für sich. Springer „Außenminister“ Christoph Keese twetete folgendes: „Das beschlossene #LSR bildet einen guten Rechtsrahmen für Journalismus im Netz. Es ist besser und wirkungsvoller, als Kritiker vermuten“. Wenn man „Journalismus“ durch „Verlage“ ersetzen würde, käme man der Wahrheit vielleicht näher. Für den unabhängigen Journalismus und für Journalisten ist das Leistungsschutzrecht ein Desaster.

Leistungsschutzrecht: ein Disaster für die FDP?

Die Planungen für ein Leistungsschutzrecht befinden sich in der finalen Phase. Die letzten Argumente werden ausgetauscht und dann schließlich wird es zu einer Entscheidung des Bundestages kommen.

Dass ich persönlich das Leistungsrecht für sehr bedenklich halte, kann und möchte ich an dieser Stelle nicht verhehlen. Viele der Argumente gegen das Leistungsschutzrecht finden sich auf der Website der „Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht“ (IGEL).

An dieser Stelle möchte ich beleuchten, was es für die FDP bedeuten würde, wenn ein Leistungsschutzrecht vom Bundestag verabschiedet werden würde. Denn in der Partei selber gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Jimmy Schulz ist beispielsweise schon lange gegen ein Leistungsschutzrecht, während der medienpolitische Sprecher der FDP Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen eindeutig dafür ist. Deshalb ist durchaus damit zu rechnen, dass die FDP zumindest in Teilen ein Leistungsschutzrecht unterstützen wird, das von der FDP-Ministeren Leutheusser-Schnarrenberger eingebracht werden wird – wohl nicht zuletzt, weil sie nicht gut auf Google zu sprechen ist.

Für die FDP hätte die Zustimmung zum Leistungsschutzrecht meiner Ansicht nach dramatische Folgen. Insbesondere sehe ich folgende Probleme:

  • Die FDP ist die Partei der Bürgerrechte, gegen Netzsperren und Zensur. Das Leistungsschutzrecht wirkt aber wie eine Zensurmaßnahme.
  • Die FDP ist für einen schlankeren Staat. Das Leistungsschutzrecht wird viele Gerichtsprozesse und weitere Verfahren nötig machen. Es sorgt also für mehr Staat.
  • Das Leistungsschutzrecht richtet sich nicht nur gegen Google, sondern auch gegen die überwältigende Mehrheit der Internetnutzer, die Suchmaschinen täglich benutzen. Gerade die jüngere Generation wird dies der FDP sehr übel nehmen. Nicht zuletzt sind alle (!) Jugendverbände der im Bundestag vertretenen Parteien gegen das Leistungsschutzrecht.
  • Die FDP wird sich fragen lassen müssen, ob sie nicht eine zu Verlagsfreundliche Klientelpolitik betrieben hat und die wirtschaftlichen Interessen der Verlage (nicht der Autoren!) über die Bürgerrechte stellt.
  • Mit dem Leistungsschutzrecht wird es unglaubwürdig werden, wenn die FDP für sich in Anspruch nimmt, eine hohe Internetkompetenz zu haben. Die Folgen des Leistungsschutzrechtes werden noch Jahre nachwirken und eine Profilbildung der FDP im Bereich Neue Medien behindern.

Kurz: Die FDP verliert eines der wenigen Alleinstellungsmerkmale, das sie noch besitzt – das Thema Bürgerrechte. Das darf meiner Ansicht nach nicht passieren. Das Leistungsschutzrecht könnte zumindest gefühlt zu einem zweiten Betreuungsgeld werden – nur dass man das Leistungsschutzrecht ohne Tauschhandel aus eigenem Willen und ohne Not umgesetzt hätte.