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Die Werbung von Hamburg Energie ist ein Skandal

Seit einigen Wochen wirbt der wenig ertragreiche städtische Energieversorger Hamburg Energie in ganz Hamburg mit roten Plakaten und roten Anzeigen. Dieser massiven Kampagne zur Kundengewinnung kann man in Hamburg kaum entgehen.

Im Jahr 2009 wurde Hamburg Energie von der Stadt neu gegründet, nachdem der alte öffentliche Stromversorger HEW an Vattenfall und der Gasversorger HeinGas an e.on verkauft worden waren. Die Grünen, die sich gerne für eine Rekommunalisierung von Energieversorgern einsetzen, setzten im damaligen schwarz-grünen Senat durch, dass ein neuer städtischer Energieversorger gegründet wurde: Hamburg Energie. Dieser sollte Gas und Ökostrom anbieten.

Anfangs bot Hamburg Energie die Strom- und Gastarife zum Discountpreis an, inzwischen gehört das städtische Unternehmen zu den teureren Anbietern, wie eine kurze Recherche bei Verivox oder Check24 zeigt. Vielleicht wirbt das Unternehmen deshalb so intensiv um Neukunden.

In der aktuellen Kampagne versucht Hamburg Energie, seine Vorteile gegenüber den Mitbewerbern herauszustellen. Ein Plakat halte ich für besonders skandalös. Dort heißt es: „An der Elbe, aber nicht an der Börse: Hanseatischer Ökostrom.“ Dass damit Vattenfall und e.on gemeint sein dürften, ist wohl klar.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass ein öffentliches Unternehmen, das zu 100% dem Staat gehört, die Vorbehalte der Bürger gegenüber der Börse, den Finanzmärkten und privaten Unternehmen schürt – und das ohne Grund. Die Rechtsform eines Unternehmens hat in der Regel keinen Einfluss auf den Energiepreis oder die Qualität. Es ist wichtig für Unternehmen, dass sie durch die Ausgabe von Aktien frisches Kapital bekommen können. Es ist wichtig, dass das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder gestärkt wird, nach den Krisenjahren.

Das nächste Problem ist, dass in Hamburg ein Volksentscheid zur Rekommunalisierung der Energienetze ansteht, zu dem ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben habe. Die Rekommunalisierung könnte, wenn der Volksentscheid durchkommt, ein teures Vergnügen sein, weshalb es der SPD-Senat ja auch ablehnt. Gleichzeitig schürt der Energieversorger der Stadt die Ängste der Bürger und macht Stimmung gegen Großunternehmen. Wer auch immer das zugelassen hat, sollte diesen Fehler schnellstens korrigieren.

Es ist nicht die Aufgabe des Staates, einen Energieversorger zu unterhalten, gerade wenn auf dem Markt mehr als genug Wettbewerb herrscht. Es kann nicht sein, dass ein staatlicher Energieversorger sich massiv gegen die Wirtschaft positioniert und das auch noch in einer Werbekampagne überall plakatiert. Es kann nicht sein, dass ein städtisches Unternehmen mit seiner Werbung Politik macht.

Papst Benedikt XVI. aka Joseph Ratzinger

Der Papst tritt zurück – Hoffnung für die Zukunft?

Ich bin nun beileibe kein Katholik – im Gegenteil. Das, was die katholische Kirche verbreitet, halte ich größtenteils für nicht richtig. Die aktuelle Debatte zeigt, wie weit sich die katholische Kirche von der Realität abgekoppelt hat und wie wenig sie für Kritik zugänglich ist.

Frauen dürfen nicht abtreiben, auch nicht nach einer Vergewaltigung. Sie dürfen auch nicht die Pille danach nehmen – auch nicht nach einer Vergewaltigung. Kondome sind schlecht, das Zölibat ist die perfekte Lebensform für Priester. Ach ja, Frauen haben im Verkündigungsdienst nichts verloren. Dazu kommen noch die ganzen Sexskandale, der Missbrauch von Kindern und die Vertuschung dieser ganzen schlimmen Geschehnisse.

Die katholische Kirche verhält sich so, als wären große Teile ihrer Eliten im Mittelalter stecken geblieben. Dazu hat Benedikt der XVI. beigetragen, denn er galt schon bei seiner Wahl nicht als Reformer, sondern als Konservativer. „Wir sind Papst“ titelte die Bildzeitung. Aber was für einer?

Es ist zu befürchten, dass die Eliten in der katholischen Kirche weitermachen werden, wie schon in den letzten 2000 Jahren. Nach außen einen gewissen Schein wahren und nach innen alles so lassen, wie es schon immer war.

Damit bliebe die katholische Kirche ein Wirtschaftsunternehnen, das vorwiegend an den Geldern seiner Mitglieder und an Macht interessiert ist, sich aber zumindest intern nicht um Anstand, Moral, Recht und Gesetz oder gar die Menschenrechte schert. Und die Kirchenmitglieder? Schafe, denen man erzählt, was für sie gut ist und was nicht – egal ob es stimmt oder nicht. Dies lässt nur einen pessimistischen Blick in die Zukunft zu: Der neue Papst wird keine Person sein, der die Kirche radikal umformen und neu ausrichten wird. Zu groß wird die Angst der Kardinäle davor sein, Opfer eines solchen Papstes zu werden.

Es bleibt also lediglich zu hoffen, dass die Kirchenmitglieder begreifen, dass die katholische Kirche nicht das ist, was sie zu sein vorgibt. Dass ihre Auslegung der Bibel höchst beliebig ist (wie im Übrigen jede Bibelauslegung) und dass jedes Mitglied der katholischen Kirche das problematische Verhalten der Institution Kirche nicht nur duldet, sondern fördert.

„Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, würde Kant den Kirchenmitgliedern zurufen. Denn die kirchlichen Eliten sind zum Großteil weit vor der Aufklärung im Mittelalter stecken geblieben.