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Karfreitag – staatlich verordnete Trauer

Christen in aller Welt begehen den Karfreitag als einen Tag der Trauer, denn Jesus ist laut der Bibel an diesem Tag gestorben. Auch wenn es in der Bibel sehr unterschiedliche Darstellungen gibt, die in den Fakten deutlich voneinander abweichen, ist der Karfreitag für alle Christen einer der wichtigsten Feiertage im Jahr. Deshalb ist er auch zum staatlichen Feiertag geworden.

Für mich ist das völlig in Ordnung, dass Christen diesen Tag begehen. Probleme habe ich damit, dass auch allen anderen vorgeschrieben wird, was sie an diesem Tag nicht zu tun haben. Es dürfen keine Sportveranstaltungen durchgeführt werden, keine Tanzveranstaltungen, die Auswahl an Filmen in Kinos wird eingeschränkt und generell sind öffentliche Feiern nicht möglich. Dazu kommt noch die Kirche, die gerne auch das TV-Programm beschränken möchte. RTL möchte „Twilight“ zeigen, das geht der Kirche aber zu weit.

Warum verdammt nochmal müssen Angehörige anderer Religionen und Atheisten an Karfreitagen die Regeln des Christentums befolgen? Warum ist das Christentum die einzige Religion, die ein solches Privileg überhaupt hat? Diese Fragen sollte man sich stellen. Für mich ist es so: Wer am Karfreitag trauern will, sollte das tun. Wer es nicht möchte, sollte es halt nicht tun. Fertig. Wenn man trauern möchte, muss man ja nicht in eine Disko gehen. Wenn jemand anders in die Disko gehen möchte, warum nicht?

Das nächste Problem innerhalb der Kirchen ist, das dort der Karfreitag als einer der wichtigsten Feiertage definiert wird, dies aber die Mitglieder nicht interessiert. Ich hatte ja neulich schon zu den allgemeinen Statistiken zum Kirchenbesuch etwas geschrieben, dies möchte ich noch im den Karfreitag erweitern.

In der Evangelischen Kirche besuchen durchschnittlich ca. 860.000 Menschen oder 3,6% der Kirchenmitglieder in der Woche sonntags einen Gottesdienst. Am Karfreitag sind es rund 200.000 Besucher mehr (4,4% der Kirchenmitglieder). Zum Vergleich: Am Heiligabend gehen rund 8 Millionen Kirchenmitglieder (33%) in einen Gottesdienst. Man sieht also, dass der Karfreitag keine wirklich bedeutende Rolle für die Kirchenmitglieder spielt.

So finde ich es dann auch durchaus verständlich, warum sich viele über die Beschränkungen des Karfreitags aufregen oder sie bewusst umgehen. Einige Muslime fordern sogar eigene Feiertage, was angesichts der Relevanz einiger kirchlicher Feiertage für die Bevölkerung durchaus legitim ist.

Kulturell hat der Karfreitag heutzutage also nur wenig bedeutung, zudem gibt es viel Kritik an den Beschränkungen. Letztenendes werden durch die Regularien viele Menschen in ihren Grundrechten eingeschränkt. Dies ist gerade in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft nicht hinnehmbar. Die Staatlichen Beschränkungen zum Karfreitag (und zu allen anderen stlllen Tagen und Feiertagen) sollten aufgehoben werden. Man kann sich auch ohne solche Regularien gegenseitig respektieren. Die Christen müssen respektiert werden, ihren Feiertag so begehen zu können, wie sie es persönlich möchten. Aber Christen sollten auch ihre Mitmenschen (=Nächsten) respektieren, die die Beschränkungen des Karfreitags persönlich nicht akzeptabel finden.

Etwas Toleranz und Nächstenliebe, weniger Regulierungen und mehr Freiheiten wären nötig, um den Karfreitag zu einem Tag zu machen, der für alle akzeptabel ist. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert in einem demokratischen Staat, der die Freiheit aller Bürger achten sollte. Ich persönlich weigere mich, an diesem Tag zu trauern. Wenn jemand das tun möchte, ist das okay. Aber ohne mich.

Staat und Religion, Energienetze und Raumpolitik: Anträge der JuLis für den FDP-Landesparteitag in Hamburg

Die JuLi-Anträge für den nächsten Landesparteitag der FDP Hamburg im April befassen sich mit ganz unterschiedlichen Themen. Am kontroversesten dürfte der Antrag zur Trennung von Staat und Religion sein, der einige relativ radikale Positionen beinhaltet.

Zu den Energienetzen habe ich bereits in einem anderen Beitrag schon alles gesagt, im Antrag wird eine vollständige Privatisierung der Energienetze gefordert. Der Antrag zur Raumpolitik befasst sich mit einer Deregulierung des Wohnungs- und Gewerbemarktes, um mehr Wohnraum zu schaffen, der in Hamburg bekanntlich knapp und teuer ist.

Am kontroversesten wird sicher der Antrag zum Thema Staat und Religion sein, weshalb ich ihn an dieser Stelle näher erläutern möchte. Es geht hier um eine konsequente Trennung von Staat und Religionen bzw. Weltanschauungen. Im Grundgesetz ist die Religionsfreiheit als Grundrecht geregelt, deshalb sollte der Staat allen Bürgern eine maximale Religionsfreiheit gewähren und selber nicht als Akteur eine oder mehrere Religionen oder Weltanschauungen bevorzugen oder benachteiligen.

Aktuell haben in Deutschland die beiden großen Kirchen und teilweise die Jüdische Gemeinde besondere Rechte, die andere Religionsgemeinschaften nicht haben. Es wäre also konsequent, entweder allen diese Rechte zu gewähren, oder aber niemandem. Letzteres ist die praktikablere Möglichkeit, die zudem einen neutraleren Staat gewährleistet. Denn gerade kleinere Religionsgemeinschaften werden aktuell vom Staat massiv benachteiligt.

Die Abschaffung der staatlichen Finanzierung der Ausbildung von Geistlichen an staatlichen Hochschulen ist daher die erste Forderung. Warum sollte die Ausbildung von Geistlichen vom Staat getragen werden, wenn Freikirchen und andere Religionsgemeinschaften selbst für die Kosten aufkommen müssen? In anderen Ländern bilden die Kirchen ihre Geistlichen auf eigene Kosten aus, dies muss auch in Deutschland möglich sein.

Zum zweiten Punkt, dem Religionsunterricht, habe ich an anderer Stelle bereits alles gesagt.

Der Dritte Punkt des Antrags betrifft das kirchliche Arbeitsrecht, das Kirchen und kirchlichen Organisationen eine Sonderstellung auf der Arbeitgeberseite gewährt. Warum sollten Angestellte in kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen wie Krankenhäusern nicht streiken dürfen? Warum gilt das Tarifvertragsrecht nicht für die Kirchen? Dies sind Dinge, die den Kirchen in der Wirtschaft einen klaren Wettbewerbsvorteil bringen. Zudem können die Kirchen Personen aus anderen Religionen oder Kirchen nicht einstellen, also diskriminieren. Dies kann geschehen, obwohl die meisten kirchlichen Einrichtungen in hohem Maße (bis zu 100%) vom Staat finanziert werden. Daher fordern wir eine Abschaffung dieses kirchlichen Arbeitsrechts.

Die Kirchen und die Jüdische Gemeinde haben laut §42 Abs. 1 des Rundfunkstaatsvertrags das Recht, in allen öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksendern Sendezeit zu erhalten. Alle anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben dieses Recht nicht. Dieses Recht stellt einen massiven Eingriff auch in die Programmgestaltung der sonst (hoffentlich) unabhängigen Medien dar, welches in keinster Weise gerechtfertigt ist.

Der kontroverseste Teil des Antrags fordert, fünftens, die Ersetzung der Feiertage Karfreitag, Pfingsten und Himmelfahrt. Diese sollen durch andere Feiertage ersetzt werden, mögliche Termine wären etwa das Ende des zweiten Weltkriegs, der 17. Juni oder der 9. November. Gleichzeitig fordern wir, dass jeder fünf Tage vom eigenen Urlaub an bestimmten Tagen freinehmen kann, um seine religiösen Feiertage zu begehen. Notwendig ist eine Abschaffung der drei Feiertage, da sie im Gegensatz zu Ostern und Weihnachten keine gesellschaftliche Bedeutung haben und somit rein kirchliche Feiertage sind. Würden nun alle Religionen ihre eigenen staatlichen Feiertage fordern, bekämen wir große Probleme. Gerade weil so wenig Menschen die Kirchen regelmäßig besuchen, ist es fragwürdig, warum wir drei staatliche Feiertage haben, die nur von ca. einem Prozent der Bevölkerung überhaupt genutzt werden? Davon einmal abgesehen ist etwa Pfingsten der kirchliche Feiertag und nicht etwa der Pfingstmontag.

Letztens fordern wir die Abschaffung der Strafbarkeit der Blasphemie. Religionen müssen damit leben, dass sie Gegenstand der Satire sein können. Natürlich möchten wir nicht, dass Weltanschauungen beschimpft oder verunglimpft werden. Dies wird aber durch andere Regelungen bereits abgedeckt, etwa durch die Strafbarkeit der Beleidigung. Der Blasphemie-Paragraph wird heute nur selten angewendet. Andere wie Politiker, Unternehmen oder Verbände benötigen ein solches Privileg nicht. Hier darf man Satire und Witze reißen, über Gott aber nicht. Warum eigentlich nicht? Das Verbot der Blasphemie schränkt die Meinungsfreiheit unnötig ein, deshalb muss die Stafbarkeit aufgehoben werden.

Fazit: Unser Antrag zur Trennung von Staat und Religion erweitert die bisherige Beschlusslage der FDP zu diesem Thema. Unsere Gesellschaft ist heute nicht mehr nur durch das Christentum der Kirchen geprägt, sonder auch durch viele andere religiöse und weltanschauliche Strömungen. Das Grundgesetz garantiert allen Menschen in Deutschland Religionsfreiheit. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn der Staat alle Religionen gleich behandelt und nicht einzelne bevorzugt. Deshalb fordern wir, dass die beiden Kirchen nicht mehr bevorzugt behandelt werden. Gleiche Rechte für alle Religionen und ein neutraler Staat sind das Ziel.