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Die Startseite von Spiegel Online mit Adblocker

Kampagne gegen Adblocker von Medienseiten

Viele Leser haben am heutigen Tag sicher nicht schlecht gestaunt, als sie auf einigen Nachrichtenseiten einen großen Text zu lesen bekamen mit der Aufforderung den Adblocker zu deaktivieren. Mit dabe sind die Online-Angebote von SZ, FAZ, Spiegel, RP und Golem.

Adblocker sind – wie der Name es schon sagt – Werbeblocker. Im Internet kann man eine Werbung nicht einfach überblättern, wie in einer Zeitung oder in einem Magazin. Man kann sie aber technisch ausblenden. Für die Browser Firefox und Chrome gibt es optinale Erweiterungen, die die Werbung bequem entfernen (Erweiterung für Firefox, Erweiterung für Chrome). Der Nutzer bekommt so im Prinzip keine Werbung mehr zu sehen. Das ist praktisch, da es die Webseiten besser lesbar macht und zudem auf mobilen Geräten weniger von der kostbaren Bandbreite frisst.

Allerdings benötigen viele Webseiten Werbeeinnahmen. Ohne die geht es einfach nicht. Schließlich müssen die Inhalte, die Technik und viele andere Dinge mehr bezahlt werden. Da hilft die Werbung ungemein, denn eine Paywall ist auf Dauer sicher keine gute Lösung, auch wenn sich die Welt gerade an einem solchen Projekt versucht.

Das Problem der Online-Werbung ist, dass sie unglaublich nerven kann. Zumindest Golem verspricht seinen Lesern, keine nervige Werbung mehr einzusetzen. Keine Layer-Ads, keine Unterbrecherwerbung, keine Werbung mit Sound, keine Popups – das sind einige der Versprechen von Golem. Alle anderen versprechen – nun ja – nichts. Dabei vergessen sie, dass es Adblocker nur gibt, weil einige Online-Werbeformen einfach nur stören. Gegen Textanzeigen oder kleine Werbeflächen werden nur die wenigsten Nutzer etwas haben, aber gegen großflächige und nervend blinkende und laute Werbeflächen schon.

Leider verwenden alle an der Anti-Adblocker-Aktion beteiligten Seiten großflächige dynamische Werbebanner ganz oben auf ihrer Startseite. Menschen, die einen Bildschirm mit einer niedrigen Bildschirmauflösung haben, sehen so fast nichts von der Seite. Das ist ungefähr so, als würde der Spiegel die Hälfte seines Print-Titelblatts mit Werbung zupflastern. Das muss doch nicht sein. Außerdem gibt es teilweise einfach zu viele Werbeblöcke. Beim der RP habe ich auf einer einzigen Artikelseite neun Werbeblöcke gezählt (davon einer mit Ton), beim Spiegel sieben, bei der Zeit und Golem fünf, bei der FAZ vier.

Werbung auf einem Ausschnitt einer RP-Artikelseite

Werbung auf einem Ausschnitt einer RP-Artikelseite

Werbung kann und sollte Artikel ergänzen, sie sollte sie aber nicht verdrängen. Zur Werbung hinzu kommen oftmals Hinweise zu eigenen Produkten oder anderen Artikeln. Das erschwert das Lesen eines Artikels ungemein, ich persönlich mag es nicht, wenn ich mir einzelne Textschnipsel zwischen den ganzen Anzeigen heraussuchen muss. Man stelle sich einmal die Tagesschau vor, in der alle 30 Sekunden ein Werbeblock unterbrochen werden würde. Das würde sich doch niemand antun. Deshalb verabscheuen auch einige Leute Werbung generell.

Das sieht auch das Team von Adblock Plus so. Till Faida kritisiert die Online-Werbeindustrie in seinem Post: „Die Online-Werbeindustrie ist aber leider zu einem großen Teil noch nicht innovationsfreundlich genug, um sich auf Alternativen zu blinkenden Bannern einzulassen. Der Grund ist, dass viele das Internet nicht verstanden haben und einfach das Konzept der TV-Werbung (maximale Aufmerksamkeit erzeugen) kopieren. […] Wir rufen daher alle Websites, Verlage, Advertiser und Ad-Networks auf, sich dem Dialog zu stellen und Werbung nicht gegen, sondern für den Nutzer zu machen. Nur so können Menschen im Internet erreicht werden.“

Wenn also Werbung, dann nicht aufdringlich. Vielleicht eine Anzeige im Artikel, ein- oder zwei daneben und eine darunter. Dazu vielleicht einige Affiliate-Links im Artikel (wenn es denn thematisch passt) und die Einbindung von Service-Angeboten von Drittanbietern. Wer seinen wertvollen Content unter einer dicken Schicht von Werbung verdeckt, mag vielleicht kurzfristig viele Klicks generieren. Qualitativ hochwertig sind die aber nicht (ich habe bei der Anfertigung der Screenshots aus Versehen auf Anzeigen geklickt). Es gibt sicher noch mehr bessere Möglichkeiten, Werbung unterzubringen, etwa im Vorspann von Videos oder duch Gewinnspiele und andere Nutzer-Aktionen. Werbung ohne wirklichen Mehrwert für den Nutzer ist nur wenig wert.

Ich persönlich hoffe, dass die Adblocker-Aktion auch bei den Verlagen zu einem Umdenken führt. Sicher ist es aktuell kaum möglich, eine große Nachrichtenseite aus Werbeeinnahmen zu finanzieren, weil Onlinewerbung im Vergleich zu klassischen Werbeformen einfach zu billig ist. Angemessene Preise werden vielleicht nur eine Frage der Zeit sein – und eine Frage der qualitativ guten Vermarktung und Positionierung von Werbeplätzen. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Mein Adblocker bleibt – obwohl ich in meinem Blog selber Werbung einbinde.

[Edit] Inzwischen hat die Adblock-Community die Anti-Adblock-Einblendungen der Newsseiten blockiert. Bei Firefox muss eventuell der Filter manuell aktualisiert werden. (Firefox-Knopf – Add-ons – Adblock Plus – Einstellungen – Filtereinstellungen. Dort das Filterabonnement auswählen (z.B. EasyList) und rechts bei Aktionen „Filter aktualisieren“ wählen).

Petition: Verträge einfacher kündigen

Über den Blog von Warteschleife bin ich auf ein Thema aufmerksam geworden, das mich auch immer wieder stört. Wer wie ich zur Kostenoptimierung oft Verträge ändert und damit oft kündigen muss, hat damit immer wieder Probleme.

Abschließen kann man die meisten Verträge ganz einfach über das Internet. Ein Formular ausfüllen, abschicken, fertig. Das geht bei Handyverträgen, Strom- und Gasverträgen genauso wie bei Pay-TV und anderen Dingen. Das ist auch logisch, denn die Anbieter möchten natürlich möglichst viele Verträge abschließen.

Natürlich möchten sie auch möglichst wenig Kündigungen haben, denn die Kundengewinnung ist teurer, als Bestandskunden zu halten. Um dies zu erreichen haben sich die meisten Anbieter eine ganze Reihe an Fallstricken ausgedacht, damit die Kunden nicht kündigen:

  • Lange Vertragslaufzeiten, meistens 24 Monate
  • Lange Kündigungsfristen, meistens 3 Monate zum Vertragsende
  • Angebote für ein Vertragsupgrade während der Vertragslaufzeit, die sich dann natürlich um 24 Monate verlängert
  • Kündigungen sind oft nur per Brief oder Fax (natürlich an eine kostenpflichtige Nummer) möglich

Wer einen dieser Punkte nicht beachtet, hat Pech. Denn der Vertrag verlängert sich dann automatisch um 24 Monate. Das ist dann wirklich dumm gelaufen, denn meistens gibt es auf dem Markt viel günstigere Tarife.

Eine Petition versucht nun, Kündigungen via E-Mail oder Onlineformular als weitere Form zu etablieren, die Anbieter akzeptieren müssen. Den Gedanken finde ich grundsätzlich sehr richtig. Wenn ich die Petition geschrieben hätte, hätte ich sie vielleicht etwas anders formuliert. Meine Forderung an dieser Stelle ist, dass eine Vertragskündigung auf allen Wegen erfolgen können sollte, auf denen der Vertrag abgeschlossen werden kann. Ganz einfach.

Eine weitere Idee wäre, die Unternehmen zu verpflichten, einige Wochen vor Ende der Kündigungsfrist die Kunden über diese nochmals zu informieren. Aber das wird wohl kaum umzusetzen sein. Also sollten sich alle, die einen Vertrag abschließen, nach Vertragsabschluss gleich einen Kündigungstermin in den Kalender schreiben.

Ab wann lohnt sich eine Wochen- oder Monatskarte im HVV?

Der HVV bietet seinen Kunden ein sehr umfangreiches Tarifsystem an, dass viele Tarifzonen und viele Fahrkartentypen umfasst. Ich möchte hier mal prüfen, ab wann sich eine Wochen- oder Monatskarte eigentlich lohnt. Ich beschränke mich auf Karten für Erwachsene, die im Großbereich gültig sind. Darunter fallen die herkömmlichen Monatskarten, die Abo-Karten und die CC-Karten. Als Vergleich habe ich Einzelkarten (Großbereich) und Tageskarten genommen, einmal die 9-Uhr-Tageskarte und einmal die Ganztageskarte. Mit in die Rechnung genommen habe ich die rabattierten Online-Preise, die etwa 3% Ersparnis bieten.

Die Tabelle zeigt, ab welcher Anzahl der Einzel- oder Tageskarten sich eine Wochen-, CC- oder Monatskarte rechnet. Bei der Wochenkarte sind das die Fahrten pro Woche, bei den anderen die Fahrten im Monat.

Wochenkarte CC-Karte CC-Abo Monatskarte Abo-Karte
9-Uhr Tageskarten 5 10 8 17 14
9-Uhr Tageskarten (Online) 5 10 9 18 15
Einzelfahrt Großbereich 9 19 16 33 28
Einzelfahrt Großbereich (Online) 9 20 16 34 28
Ganztageskarte 4 14 12
Ganztageskarte (Online) 4 15 12

Wochenkarte:
Wer an fünf oder mehr Tagen fährt, sollte sich eine Wochenkarte kaufen. Wer morgens vor neun Uhr unterwegs ist, für den lohnt sie sich bereits ab vier Tagen.

CC-Karte:
Wer mit den zeitlichen Beschränkungen (nicht gültig vor 9 Uhr und zwischen 16 und 18 Uhr) leben kann, für den lohnt sich die CC-Karte bereits ab zehn genutzten Tagen, im Abo bereits ab acht oder neun Tagen.

Monatskarte:
Die Monatskarte kann sich bereits ab 14 Nutzungstagen lohnen, wer erst nach neun Uhr fährt, für den lohnt sie sich erst ab 17 oder 18 Nutzungstagen. Ein Abo lohnt sich teilweise schon ab nur zwölf Nutzungstagen.

Fazit: Wer den HVV nicht täglich nutzt, sollte sich überlegen, ob eine Wochen- oder Monatskarte wirklich das beste Angebot ist. Die CC-Karten lohnen sich wirklich, aber nur, wenn man mit den zeitlichen Beschränkungen auskommen kann. Wer nur gelegentlich in den in der CC-Karte ausgeschlossenen Zeiten fahren muss, kann sich eventuell mit Einzelkarten behelfen. Es mag zwar unbequem sein, aber für Wenigfahrer lohnen sich nur CC-Karten oder Einzel- und Tageskarten.

Neu: 3% Rabatt beim HVV auf Einzel- und Tageskarten

Der HVV hat im letzten Jahr zehn Millionen Euro mehr eingenommen, weil seit einiger Zeit in allen Bussen beim Einstieg die Fahrkarten vorgezeigt werden müssen. Aus bloßem Populismus (anders kann ich es mir nicht erklären) forderte der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Wieland Schinnenburg, dass der HVV diese Einnahmen doch an die Kunden zurückgeben solle. Natürlich ist diese Forderung Unsinn, denn der HVV ist trotz einer hohen Effizienz noch weit davon entfernt, Kosten deckend zu arbeiten.

Dennoch gibt es seit dem 01. März 2013 eine Möglichkeit, bei Fahrkarten zu sparen und das nicht nur durch die HVV-Card in Harburg. Wer sich eine Einzel-, Tages- oder Ergänzungskarte kaufen möchte, bekommt 3% Rabatt. Aber nur, wenn diese Karten nicht am Automaten oder im Bus, sondern über die HVV-App, die mobile HVV-Seite oder den HVV-Onlineshop gekauft werden. Die Dreitageskarte wurde übrigens gestrichen.

Hier die Kosten im Vergleich:

Fahrkarte Normalpreis Online-Preis Ersparnis
Einzelkarte Kurzstrecke 1,40€ 1,36€ 2,86%
Einzelkarte Nahbereich 1,90€ 1,84€ 3,16%
Einzelkarte Großbereich 2,95€ 2,86€ 3,05%
9-Uhr Tageskarte Großbereich 5,80€ 5,63€ 2,93%
Ganztageskarte Großbereich 7,10€ 6,89€ 2,96%
9-Uhr Gruppenkarte 10,40 10,09 2,98%

Bei Wochen- oder Monatskarten, im HVV-Jargon auch Zeitkarten genannt, kann man so nicht sparen. Da hilft nur ein Abo.

Warum das Fernsehen keine Zukunft hat

Video killed the Radio Star“ – dieser Titel der Gruppe „The Buggles“ zeigte den Trend Ende der Siebziger Jahre. Man dachte, das Fernsehen würde das Radio verdrängen. Es bot neben dem Ton noch ein Bild, das inzwischen auch farbig war. Dem bewegten Bild gehörte die Zukunft, nicht nur im Kino, sondern auch im Wohnzimmer.

„Video killed the Radio Star“ war das erste Musikvideo, dass der damals neu gestartete Musikfernsehsender MTV als erstes spielte. Mit dieser Symbolik wollte man den Weg in die Zukunft weisen. Zumindest bei MTV hat das nicht funktioniert. Das Radio existiert weiter, erfreut sich weltweit einer großen Beliebtheit und ist noch lange nicht tot – im Gegensatz zu MTV. MTV ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst und spielt kaum noch Musikvideos und kaum noch eine nennenswerte Rolle.

Musikvideos erfreuen sich trotzdem einer großen, vielleicht nie dagewesenen Beliebtheit. Nicht im Fernsehen, sondern im Internet. Unzählige Videoportale, Künstler und Bands sorgen dafür, dass immer neue Musikvideos im Internet erscheinen. Niemand ist mehr von den von VJs abhängig, die die Videos auswählen und deren Reihenfolge festlegen. Jeder Nutzer kann sich durch die Videoportale klicken und selbst entscheiden, was wann gesehen wird. Praktisch und weitestgehend grenzenlos (wenn man einmal vom Gema-Youtube-Konflikt absieht).

Das klassische Programmfernsehen existiert weiter, in vielen Ländern sogar in einer nie vorher dagewesenen Vielfalt. In Deutschland gibt es alleine 23 öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme, daneben noch deutlich mehr private Programme. Über DVB-T sind in vielen Regionen 30 Programme und mehr verfügbar, über Satellit hunderte, wenn nicht tausende. Für fast jede Interessengruppe gibt es in fast jeder Sprache mindestens ein Programm.

Hierbei stellen sich zwei Fragen: Warum lassen sich, erstens, Menschen vorschreiben, was sie wann sehen? Und warum akzeptieren sie, zweitens, dass sie ein Programm vorgesetzt bekommen, das in anderen Teilen der Welt schon lief und dort schon längst überholt ist?

Die Tagesschau um 20 Uhr oder der Tatort am Sonntag gehören in vielen Haushalten zum Tagesrhythmus dazu wie das Mittagessen oder der Weg zur Arbeit. Bei Soaps und Serien warten viele Fans darauf, dass die nächste Folge ausgestrahlt wird. Nur – warum eigentlich? Warum lassen sich so viele Menschen vom Fernsehen ihren Tagesablauf diktieren?

Viele Sender stellen fast alle Sendeinhalte ins Internet – frei zum Abruf. ARD, ZDF, RTL, SAT1 in Deutschland, die BBC in England und viele andere Anbieter verfügen über große Mediatheken oder Programmportale wie etwa Hulu in den USA (BBC und Hulu sind aus Deutschland nur mit Tricks zugänglich). Wenn man also etwas sehen möchte, kann man es tun. Wenn man es im Fernsehen verpasst, kein Problem. Durch diese Videoangebote gewinnt der Zuschauer an Freiheit, das, was er sehen will zu der Zeit zu sehen, die ihm passt. Eine Ausnahme bilden sicherlich Live-Events wie Sport oder aktuelle Übertragungen etwa aus dem Bundestag. Hier muss das Programm live sein. Allerdings gibt es hier auch teilweise Livestreams, RTL bietet beispielsweise einen für die Formel 1 an. Mit all diesen Möglichkeiten stellt sich mir noch immer die eine Frage: Warum lassen sich so viele Menschen ihren Tagesrhythmus vom Fernsehprogramm beeinflussen?

Hinzu kommt, und hier sind wir bei der zweiten Frage, dass Fernsehen nicht mehr als lokales Medium funktioniert. Im Kino gab es früher sehr unterschiedliche Starttermine von Kinofilmen. Ein Film konnte in den USA starten und dann erst ein halbes Jahr später in Deutschland im Kinoprogramm erscheinen. Ich kann mich an einen Star Wars Teil (ich meine es war Episode 1) erinnern, den ich in England satte drei Monate vor dem Kinostart in Deutschland gesehen habe. Das muss 1999 gewesen sein – heute sind schon alleine wegen der vielen illegalen Kopien solche weit auseinander liegenden Zeiträume nicht mehr möglich. Heute starten Kinofilme in der Regel am selben Tag, ob in New York, Hamburg, Madrid oder Kapstadt.

Im Fernsehen ist dieses Prinzip noch nicht angekommen. Viele Fernsehsender erlauben den Zugriff auf ihre Online-Mediatheken nur aus dem Land, aus dem sie senden. Dies ist natürlich absurd, denn wie oben beschrieben, kann man diese Sperren umgehen. Es ist auch absurd, weil man die Programme via Satellit in großen Teilen der Welt ohne Probleme sehen kann. Mitschneiden und ins Internet stellen natürlich auch. Dass das durchaus im großen Umfang geschehen kann, zeigt die Fernsehserie „A Game of Thrones„, die nur in den USA in kleinen Pay-TV-Sender HBO lief. Diese Serie erfreute sich im Internet schnell großer Beliebtheit, obwohl sie nirgends sonst im Fernsehen lief und auch im Internet nicht legal abgerufen werden konnte. Es wurden sogar Kampagnen gestartet, die einen legalen Zugang zum Online-Angebot von HBO forderten. „Take my Money HBO“ scheiterte. HBO wollte sich nicht von seinem Abo-Modell mit dem Fokus auf Pay-TV verabschieden. Es gäbe im Internet einen großen internationalen Markt für Serien und andere TV-Programme, dieser wird aber in der Regel den illegalen Angeboten überlassen. Da wäre viel Geld zu verdienen, aber aus Angst wagt es kein Anbieter, sein Programm global im Internet zu vermarkten.

Dennoch: Wenn ich etwas sehen möchte, das irgendwo in der Welt läuft, kann ich es in der Regel sehen. Ich kann auch noch entscheiden, wann und wo ich es sehen möchte. Besser geht es doch kaum. Wozu braucht man da noch das Fernsehen? Ich weiß es nicht. Serien könnten auch ohne Fernsehen genügend Zuschauer in Internet finden, alle anderen Formate auch. Das Fernsehen wird sterben, es hat seinen Zenit bereits überschritten. MTV ist hier wieder einmal Vorreiter – nur dieses Mal unfreiwillig.

Günstig ins mobile Internet

Wieder eine Frage, die mir Kunden stellen: Was ist der beste Tarif um mit meinem Laptop, iPad, Tablet oder Netbook ins Internet zu kommen? Die Antwort lautet: das kommt drauf an, wie oft man im mobilen Internet ist.

Datentarife gibt es in allen Mobilfunknetzen. Allerdings sind die Netze von O2 und E-Plus deutlich schlechter ausgebaut als die von der Telekom und Vodafone. Dies gilt auch für Ballungsräume, wo es bei O2 und E-Plus teilweise zu Problemen wegen einer Netzüberlastung kommen soll. Wer mobil surfen möchte, sollte also lieber einen Tarif im Vodafone oder Telekom-Netz wählen.

Leider beinhalten viele Tarife trotz der Bezeichnung „Flatrate“ nur ein begrenztes Datenvolumen. Überschreitet man dies, kann man zwar weiter ins Internet, aber extrem langsam. Deshalb sollte man sich ein ausreichendes Datenvolumen buchen. 1 GB reicht für Gelegenheitsnutzer, für alle anderen sollten es 3, 5 oder mehr Gigabyte sein. Downloads oder Streamingdienste sollte man aber nur im Notfall aufrufen, um Volumen zu sparen.

Tariftipp 1 GB

Hier gibt es zwei gute Möglichkeiten im Vodafone-Netz die jeweils 1 GB Datenvolumen enthalten und nur etwa 10 Euro im Monat kosten. Am günstigsten ist der Vertragstarif „Notebook-Flat“ ohne Mindestlaufzeit von 1&1, der keine Einrichtungsgebühr kostet und für 9,99 Euro im Monat buchbar ist. Als Prepaid-Alternative bietet sich otelo an, hier kann man den Tarif flexibel hinzu- oder abbestellen. Allerdings kostet der Surfstick, den man kaufen muss, 30 Euro.

Tariftipp 3 GB

Der REWE-Konzern hat offensichtlich gut mit der Telekom verhandelt und bietet mit seinen Marken Penny Mobil und ja! mobil das 3GB Surfpaket im Monat für nur 14,99 Euro an. Wer dieses nutzen möchte, kann sich im nächsten Penny oder Rewe das jeweilige Starterpaket für 10 Euro kaufen, aufladen und dann nach Bedarf die Monatsflatrate draufbuchen.

Tariftipp 5 GB

Preislich sind hier Aldi und Lidl ganz vorne mit dabei, leider im E-Plus (Aldi) und O2-Netz (Lidl). Für jeweils 14,99 Euro gibt es 5 GB Surfvolumen in langsamen Netzen. Als Alternative gibt es für 5 Euro mehr den „Notebook-Flat XL“ Tarif von 1&1 als Vertragstarif ohne Mindestvertragslaufzeit. Als Bonus kann man schneller surfen als bei der Konkurrenz – bis zu 14.400 kBit/s sollen im Vodafone-Netz möglich sein.

Mehr Online-Werbeerlöse durch eine Paywall?

Im Dezember gab der Springer-Chef Mathias Döpfner der Zeit ein Interview, in dem er folgendes behauptet:

[In der analogen Zeitungswelt] hat der Werbemarkt längst die Entscheidung darüber getroffen, dass ein zahlender Leser mehr wert ist als ein nicht zahlender Leser. Eine Anzeigenseite in der Berliner Morgenpost kostet fast 15-mal so viel pro tausend Leser wie die gleiche Anzeigenseite in unserer kostenlosen Berliner Woche. Der Anzeigenkunde geht zu Recht davon aus, dass ein Leser, der einer Zeitungsmarke so vertraut, dass er für sie regelmäßig etwas bezahlt, eine völlig andere Loyalität zu dieser Marke und ihren Inhalten hat. Deshalb haben auch Anzeigen in diesem Umfeld eine andere Wirkung und einen anderen Preis. Es gibt eine Währung für Gratisinhalte und eine für Bezahlinhalte. Deshalb sind Abomodelle auch für die Werbewirtschaft eine gute Nachricht.

Außerdem, so Döpfner weiter, sei deshalb perspektivisch eine Preiserhöhung die logische Konsequenz. Nur – ist sie es wirklich? Kann man die Erfahrungen aus dem Print-Bereich im Internet kopieren? Ich bin das skeptisch, denn es gibt viele Dinge, die dagegen sprechen.

Beginnen möchte ich mit der von Döpfner gewählten Gegenüberstellung von Gratiszeitung und Bezahlzeitung. Im Print-Bereich decken die Gratiszeitungen schon qualitativ einen anderen Bereich ab als die großen Bezahlangebote. Bei Gratiszeitungen geht es meist um kurze Nachrichten, oft mit einem Fokus auf Boulevardthemen. Natürlich gibt es die nicht im Abo und auch nicht am Kiosk. Im Internet ist dies etwas anders, denn hier gibt es viele sehr hochwertige Gratisangebote, die zudem nicht lokal beschränkt sind. Selbst wenn ein Angebot eine Paywall bekommt, gibt es noch viele Alternativen, die kostenlos sind. Ein Vorteil für ein Bezahlangebot besteht also nicht.

Richtig problematisch wird es aber, wenn man die Möglichkeiten des Onlinemarketing mit in die Betrachtung einbezieht. Im Gegensatz zum Print-Bereich kann man im Internet sehr spezielle Zielgruppen erreichen. Man kann sie geographisch, nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Einkaufsgewohnheiten und vielen anderen Kriterien spezifizieren. Man kann also älteren einkommensstarken Personen bei einem Reisebericht Anzeigen zu Kreuzfahrten einblenden, während jüngere nicht so finanzkräftige Personen Anzeigen von Hostels und Billigfliegern zu sehen bekommen.

Viele Besucher auf einer Webseite sind also für das Zielgruppenmarketing immer besser als wenige. Je mehr Besucher, desto größer die Auswahl und desto spezifischer kann die Werbung geschaltet werden. Im Offline-Geschäft ist dies nicht möglich. Dort kann man nur möglichst breit streuen und hoffen, dass irgendwer reagiert.

Ich versuche einmal den Vergleich mit einem Fischteich, in dem 100 verschiedene Fische schwimmen, die 100 verschiedene Futterarten benötigen. Der Offliner kann aber nur einmal füttern, er muss also das gesamte Futter in den Teich werfen und hoffen, dass jeder Fisch das für ihn geeignete Futter erreicht. Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich gering. Der Onliner hingegen kann einen Taucher schicken, der jeden Fisch individuell füttert.

Im Online-Bereich kann man also aus Quantität wirklich Qualität machen. Offline ist dies nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Abomodelle behindern, dass eine große Quantität an Lesern mit der Onlinewerbung erreicht werden kann. Deshalb werden die Werbeerlöse bei Einführung einer (strickten) Paywall auch massiv sinken. Die Frage die man sich deshalb in diesem Zusammenhang eher stellen muss ist, ob die durch die Paywall generierten Einnahmen ausreichend sind, um die Einnahmeausfälle bei der Online-Werbung auszugleichen.

Hierzu müsste es bei Springer eigentlich Zahlen geben, da das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost schon 2009 auf eine Paywall umgestellt wurden. Die Zahlen hierzu sind aber rar. Ich habe nur welche von Dezember 2010 gefunden. Demnach ist das Bezahlangebot beim Abendblatt und bei der Berliner Morgenpost nicht sehr beliebt. Es wurden in dem Zeitraum insgesamt 11.400 „Verkäufe“ verbucht, darunter 4.200 Tagessessions, App-Verkäufe und Abos. Selbst wenn man von 100€ pro Verkauf ausgeht (überwiegend Abos), kommt gerade einmal knapp eine Million Euro im Jahr zusammen. Tatsächlich dürften es weniger Einnahmen sein.

Fazit: Axel Springer erwirtschaftet momentan fast 35% (281,1 Mio. Euro) der Konzernumsätze mit digitalen Medien, erzielt aber kaum Einnahmen durch die Paywalls von Abendblatt, Morgenpost und wohl auch Welt. Wäre ich Aktionär, würde ich mir ernsthafte Sorgen um das Online-Geschäft machen, da es wegen der Paywalls eher leiden wird. Insgesamt könnten die Besucherzahlen trotz Paywalls steigen, da schlicht und einfach das Internet von immer mehr Personen immer mehr genutzt wird. Im Gegensatz zur Konkurrenz dürfte das Wachstum aber geringer werden. Ich werde dies am Beispiel der Welt in den nächsten Monaten beobachten.