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Matz ab & Abendblatt – Crowdfunding oder wie man es nicht macht

Seit das Hamburger Abendblatt von Springer an Funke verkauft wurde, sucht man wohl Geld. Die offensichtlichsten Fehler wie die Online-Paywall beim Abendblatt hat man beibehalten. Es gibt da noch ein kleines Nebenprojekt, für das offenbar kein Geld da ist, aber dringend benötigt wird: Den HSV-Blog, auch Matz ab genannt – nach Dieter Matz, dem federführenden Sportredakteur.

Matz ab – Geld dringend benötigt?

Für Matz ab braucht man nun dringend Geld. Nicht nur etwas, sondern viel Geld. Satte 100.000 Euro für ein Jahr. Sagt man zumindest. Erklärt wird das auch in diesem Video:

Aus dem Blog sei „ein kleines Unternehmen“ geworden, mit gut 20 Millionen Visits im Jahr oder über 200.000 im Monat, so Lars Haider. Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, denn rechnerisch kommt das nicht so ganz hin. Egal – man habe, so Haider weiter, versucht, in der Wirtschaft Unterstützung zu gewinnen, das hat wohl nicht (so gut) geklappt. Benötigt werde diese hohe Summe, weil man auch aufwändige Videos produziere. Doch dazu später mehr.

Was passiert, wenn die Summe nicht zusammenkommt, wird nicht beantwortet, Haider druckst hier herum und meint, die 100.000 Euro würden natürlich zusammenkommen. Außerdem wolle man plötzlich nun doch unabhängig von Sponsoren sein, das wäre zu unsicher.

Bislang (18.09.2015) stehen die Einnahmen durch das Crowdfunding bei knapp 28.000€, wobei auch diese Zahl mit Vorsicht zu genießen ist. Im Video wird darauf verwiesen, dass der Abendblatt-Chefredaktuer Haider selbst spendet und man außerdem viele (reiche) Promis ansprechen möchte. Als die Kampagne am 13. August begann, waren (nach meinen Erinnerungen) schon rund 12.000€ im Topf, bis zum 11. September waren es dann knapp 18.000 Euro, diese Woche sind es plötzlich ziemlich genau 10.000€ mehr geworden. Ob diese Zahlen stimmen? Ich habe meine Zweifel.

Was läuft falsch bei Matz ab?

Es ist erstaunlich, dass die professionellen Leute beim Abendblatt es offenbar nicht hinbekommen, eine (nach eigenen Angaben) sehr hoch frequentierte Website nicht zu finanzieren oder zu vermarkten. Wer sich bei Matz ab mal umschaut, wird nur oben und rechts einen Werbebanner (im Bild hellblau) sehen, sowie einen Verweis auf ein Uwe-Seeler-Buch im Abendblatt-Shop weiter unten rechts. Das war es an Werbung.

matz-ab-werbungMan hat es – wie oben schon beschrieben – auch mit der Gewinnung von Sponsoren versucht, allerdings ohne Erfolg. Anders formuliert: Jeder Laien-Blogger vermarktet seine Seite besser.

Was müsste man also tun, um Matz ab vernünftig zu vermarkten?

Das Crowdfunding ist nicht ohne Alternativen, eine Paywall würde auch nicht funktionieren. Mit gut 20 Millionen Visits im Jahr und einer klar definierten Zielgruppe wäre der Matz ab Blog eigentlich sehr gut zu vermarkten. Ich würde folgende Punkte in Angriff nehmen.

1.) Einheitliches Branding, einheitliches Produkt

Wie genau heißt eigentlich Matz ab? Matz ab, HSV-Blog vom Abendblatt oder irgendwie anders? Schon allein die Adresse hsv-blog.abendblatt.de/ ist nicht glücklich, selbst im Titel ist man sich nicht wirklich sicher. Es gibt oben zwei Bezeichnungen: „Der HSV-Blog“ und „Matz ab“, weiter rechts heißt es „‚Matz ab‘, der HSV-Blog, wird Ihnen präsentiert vom Hamburger Abendblatt“.

matz-ab-nameEin einheitliches Branding und eine einheitliche Domain wären auch hilfreich. Gleiches gilt für Youtube, wo die Videos einfach im Abendblatt-Kanal abgelegt werden. Nicht gut, abonnieren wird so niemand den Youtube-Kanal (oder doch, es sind knapp unter 2.400 Abonnenten).

Ein Logo, die Loslösung vom Abendblatt, ein eigener Youtube-Kanal und eine eindeutige Bezeichnung wären sinnvoll. Das wäre gut investiertes Geld.

2.) Content besser vermarkten

Ich muss wieder einmal auf die 20 Millionen Visits verweisen, die wohl in mindestens 50 Millionen Pageviews resultieren sollten, wenn man das konservativ rechnet. Nimmt man an, dass sich etwa mit einigen Google Adwors Anzeigen rund 3,5 pro 1000 Views realisieren lassen, so kommt man nur so auf rund 70.000 Euro im Jahr. Aber das ist erst die halbe Miete.

Durch eine geschickte Vermarktung von HSV-Produkten kann man deutlich mehr Geld erwirtschaften. Tickets, Fanartikel, Fanreisen – der HSV ist ein bekanntes Produkt. Insbesondere bei Fans ist es doch sehr wahrscheinlich, dass diese hin und wieder einmal zugreifen werden.

Viele professionelle (vorwiegend ausländische) Blogs legen sogar spezielle gesponserte (und meistens auch gekennzeichnete) Artikel an, wenn es eine gute Vermarktungsmöglichkeit gibt. So könnte Matz ab z.B. über den Start der Ticketverkäufe berichten und gleichzeitig die Tickets direkt über Affiliate-Partner vermarkten. Oder es kommt ein neuer Spieler – warum nicht gleich das neue Trikot bewerben.

Die Möglichkeiten sind riesig – die Einnahmen müssten im Jahr mindestens im Bereich von 150-200.000€ liegen, wenn man es vernünftig angeht. Tut man aber bislang nicht.

3. Kosten/Nutzenanalyse durchführen

20 Millionen Besucher im Jahr sind eine Hausnummer für den Blog. Allerdings scheinen nur deutlich weniger Menschen die teuer produzierten Videos zu schauen. Neben den Videos von Pressekonferenzen, die ca. 2000 bis 5000 Views auf Youtube haben, gibt es noch die Matz ab Talk-Runde jeweils nach den Spielen, wo Dieter Matz mit Marcus Scholz mit Gästen diskutieren. Diese Runden sind live über Abendblatt.de zu sehen und auch auf Youtube verfügbar. Im Matz ab Blog werden die Videos in den Artikeln zum Spiel versteckt. Welche Anzahl von Liveviewern diese Sendung hat, ist nicht klar, bei Youtube bekommen die Diskussionsrunden rund 15.000 Views.

Nehmen wir also an, dass inklusive der Live-Viewer rund 30.000 Personen ein Matz ab Video schauen, so macht das ca. 100€ Einnahmen durch Werbung, wenn man davon ausgeht, dass es pro 1000 Views rund 3,50€ gibt. Dieses Projekt ist also nett, aber offensichtlich viel zu teuer.

Fazit

Realistisch betrachtet wird das Crowdfunding niemals 100.000€ zusammenbringen, vor allem nicht jährlich. Zudem ist es äußerst unglaubwürdig und fast schon peinlich, dass ein sehr großer deutscher Verlag das nicht hinbekommt. Eine Vermarktung wäre deutlich sinnvoller und würde viel mehr Geld bringen. Warum man das aber nicht macht, ist kaum zu verstehen.