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Bio-Blumenkohl auf einem Pickup

Viele Ökos sind nicht Öko

Wer kennt sie nicht – Menschen, die die Welt verbessern möchten, grüner, natürlicher und fairer: Ökos. Es gibt sie überall und sie haben bei den Grünen ein politisches Sprachrohr. Sie wollen nicht nur sich selbst ökologischer verhalten, sondern auch alle anderen Mitmenschen zu einem solchen Verhalten zwingen. Sie sind vielleicht Vegetarier oder Veganer, kaufen Öko, Bio und Fairtrade im Supermarkt und im Kleidungsgeschäft und fühlen sich dabei moralisch überlegen.

Sie sind es aber oft nicht. Denn wer wirklich ökologisch leben möchte, muss seine eigene Lebensweise grundlegend überdenken. Wie hoch ist mein Stromverbrauch? Brauche ich das Auto? Muss ich wirklich in den Urlaub fliegen? Würde es nicht auch eine kleinere Wohnung oder ein kleineres Haus tun? Sollte ich nicht vielleicht aufhören zu rauchen und Kaffee zu trinken? Und viele Dinge mehr.

Hinzu kommt, dass Bio oft nicht hinterfragt wird. Da steht Bio drauf und gut is. Dabei kommen in Supermärkten schon einmal die Bio-Kartoffeln aus Israel und die herkömmlichen aus der Region. Was ist nun besser für die Umwelt? Gleiches gilt für die Gentechnik. Bio ist immer gleich ohne Gentechnik. Dabei könnte man mit der Gentechnik bessere Pflanzen entwickeln, die von sich aus gegen Schädlinge resistent sind. Das ist aber ein Eingriff in die Natur und schlecht. Aber unsere überzüchteten landwirtschaftlichen Tiere und Pflanzen sind die ursprüngliche Natur. Sicher.

Bio ist teuer, aber halt nicht immer besser. Außer für das Gewissen. Der Verbraucher zahlt mehr und meint, ein besseres Produkt erworben zu haben. Das stimmt manchmal, manchmal auch nicht – ein Ablasshandel. Kurz: Bio ist zu einer Ideologie geworden, zu einer riesigen Marketingmaschine. So funktioniert der Markt.

Wer in seinem SUV zu Bauern fährt, um dort seine Bio-Lebensmittel zu kaufen, hat etwas nicht verstanden. Wer dreimal im Jahr in den Urlaub fliegt, aber der Umwelt zuliebe Vegetarier ist, hat auch etwas nicht verstanden. So ist es halt.

Es wäre doch schön, wenn man ohne Verzicht ökologisch leben könnte. Kann man aber nicht. Öko heißt verzichten. Öko heißt bewusst handeln. Öko heißt nicht unbedingt Bio.

Beitragsbild von Patty Mooney, San Diego, California. Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Gentechnik: Aufklärung und Forschung nicht bremsen

Aktuell kocht in Niedersachsen eine Debatte über Gentechnikexperimente in Schulen hoch. Die neue Rot-Grüne Landesregierung möchte nämlich das Projekt HannoverGEN an Schulen einstellen. Christian Meyer von den Grünen, neuer Umweltminister in Niedersachsen, befürchtet, dass die Schüler nur einseitig über die Gentechnik informiert werden, weil sich die Wirtschaft an diesem Projekt beteiligt. Um die Schüler ausgewogener zu informieren, schließt man also die Gentechniklabore in den Schulen.

Diese Argumentation kommt mir sehr bekannt vor. In den USA versuchen Kreationisten, mit einer ähnlichen Argumentation die biblische Schöpfungslehre (oder vielmehr das, was sie dafür halten) in den Schulunterricht zu bringen. Begründung: Die Schüler müssen ausgewogen über alle Modelle informiert werden.

Um sich eine Meinung zu bilden, muss man aber erst verstehen, worum es eigentlich geht. Dafür gibt es die Wissenschaft und Forschung, dafür macht man Versuche und Tests. Wer dies unbegründet durch ideologische Scheuklappen verhindert, der handelt nicht nur fortschrittsfeindlich sondern auch verantwortungslos. Wenn die Wissenschaft und die Bildung unsere Ressource der Zukunft ist, warum dann nicht auch im Bereich Gentechnik? Warum möchten die Grünen (und die SPD) schon die bloße Information über Gentechnik unterbinden? Dies ist etwas, dass sich auch Florian Freistetter fragt.

Von den Gegnern der Gentechnik werden die Risiken für die Natur, Gesundheit und überhaupt der Eingriff in die Natur selbst als Argument gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft angeführt. Die „Natur“ ist also heilig, man darf sie nicht verändern.

Bedenken muss man aber, dass so ziemlich alles, was wir essen, das Ergebnis einer Zucht ist. Eine Zucht ist nichts anderes als eine Selektion und damit auch eine Veränderung des Erbguts. Eine Zucht ist eine genetische Manipulation, ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht. Wir haben die Welt, in der wir leben, schon massiv an unsere Bedürfnisse angepasst.

Was die Risiken angeht, so scheint es in den Ländern, in denen Gentechnik seit zwanzig Jahren und mehr zum Alltag gehört, keine besonderen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen zu geben. Mir ist keine Studie bekannt, die dies belegen würde. Es gibt natürlich einen Effekt auf die Umgebung, allerdings muss man sich fragen, was hier als Vor- und Nachteil überwiegt.

Nehme ich es in Kauf, dass durch meinen gentechnischen Eingriff in die Natur eingegriffen wird und sich diese Veränderung eventuell auf andere Pflanzen ausbreitet? Oder nutze ich den Vorteil der Gentechnik, weniger Pestizide gegen Schädlinge zu benötigen und Pflanzen möglich zu machen, die noch positiver auf unsere Gesundheit wirken? Denn machen wir uns nichts vor: Unser Eingriff in die Natur reicht so weit, dass wir kaum mehr zurück können. Gentechnik könnte helfen, die Natur zu entlasten, indem wir weniger Schadstoffe auf unsere Felder sprühen.

Genau das muss man erforschen und testen können. Gerade in Deutschland. Vielleicht ist Gentechnik so etwas wie Dünger und Pestizid 2.0, nur ohne die schädlichen Nebenwirkungen. Vielleicht kann Gentechnik etwas gegen den Hunger in der Dritten Welt leisten, vielleicht kann sie unsere Ernährung positiv beeinflussen. Vielleicht ist Gentechnik das eigentliche Bio. Vielleicht.

Wer sich eine gute Doku zu diesem Thema ansehen möchte, dem kann ich die Doku von der BBC-Wissenschaftsserie „Horizon“ ans Herz legen: Jimmy’s GM Food Fight: