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Gentechnik: Aufklärung und Forschung nicht bremsen

Aktuell kocht in Niedersachsen eine Debatte über Gentechnikexperimente in Schulen hoch. Die neue Rot-Grüne Landesregierung möchte nämlich das Projekt HannoverGEN an Schulen einstellen. Christian Meyer von den Grünen, neuer Umweltminister in Niedersachsen, befürchtet, dass die Schüler nur einseitig über die Gentechnik informiert werden, weil sich die Wirtschaft an diesem Projekt beteiligt. Um die Schüler ausgewogener zu informieren, schließt man also die Gentechniklabore in den Schulen.

Diese Argumentation kommt mir sehr bekannt vor. In den USA versuchen Kreationisten, mit einer ähnlichen Argumentation die biblische Schöpfungslehre (oder vielmehr das, was sie dafür halten) in den Schulunterricht zu bringen. Begründung: Die Schüler müssen ausgewogen über alle Modelle informiert werden.

Um sich eine Meinung zu bilden, muss man aber erst verstehen, worum es eigentlich geht. Dafür gibt es die Wissenschaft und Forschung, dafür macht man Versuche und Tests. Wer dies unbegründet durch ideologische Scheuklappen verhindert, der handelt nicht nur fortschrittsfeindlich sondern auch verantwortungslos. Wenn die Wissenschaft und die Bildung unsere Ressource der Zukunft ist, warum dann nicht auch im Bereich Gentechnik? Warum möchten die Grünen (und die SPD) schon die bloße Information über Gentechnik unterbinden? Dies ist etwas, dass sich auch Florian Freistetter fragt.

Von den Gegnern der Gentechnik werden die Risiken für die Natur, Gesundheit und überhaupt der Eingriff in die Natur selbst als Argument gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft angeführt. Die „Natur“ ist also heilig, man darf sie nicht verändern.

Bedenken muss man aber, dass so ziemlich alles, was wir essen, das Ergebnis einer Zucht ist. Eine Zucht ist nichts anderes als eine Selektion und damit auch eine Veränderung des Erbguts. Eine Zucht ist eine genetische Manipulation, ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht. Wir haben die Welt, in der wir leben, schon massiv an unsere Bedürfnisse angepasst.

Was die Risiken angeht, so scheint es in den Ländern, in denen Gentechnik seit zwanzig Jahren und mehr zum Alltag gehört, keine besonderen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen zu geben. Mir ist keine Studie bekannt, die dies belegen würde. Es gibt natürlich einen Effekt auf die Umgebung, allerdings muss man sich fragen, was hier als Vor- und Nachteil überwiegt.

Nehme ich es in Kauf, dass durch meinen gentechnischen Eingriff in die Natur eingegriffen wird und sich diese Veränderung eventuell auf andere Pflanzen ausbreitet? Oder nutze ich den Vorteil der Gentechnik, weniger Pestizide gegen Schädlinge zu benötigen und Pflanzen möglich zu machen, die noch positiver auf unsere Gesundheit wirken? Denn machen wir uns nichts vor: Unser Eingriff in die Natur reicht so weit, dass wir kaum mehr zurück können. Gentechnik könnte helfen, die Natur zu entlasten, indem wir weniger Schadstoffe auf unsere Felder sprühen.

Genau das muss man erforschen und testen können. Gerade in Deutschland. Vielleicht ist Gentechnik so etwas wie Dünger und Pestizid 2.0, nur ohne die schädlichen Nebenwirkungen. Vielleicht kann Gentechnik etwas gegen den Hunger in der Dritten Welt leisten, vielleicht kann sie unsere Ernährung positiv beeinflussen. Vielleicht ist Gentechnik das eigentliche Bio. Vielleicht.

Wer sich eine gute Doku zu diesem Thema ansehen möchte, dem kann ich die Doku von der BBC-Wissenschaftsserie „Horizon“ ans Herz legen: Jimmy’s GM Food Fight:

Wissenschaftskritik: Einführende Gedanken

Ich habe neulich mit einem Kollegen über Universitäten, Wissenschaft und Forschung diskutiert. Dies hat mich dazu geführt, über Wissenschaft, Wissenschaftler, Forschung und die aktuellen Strukturen in diesen Bereichen nachzudenken. Ich werde das alles der Einfachheit halber als Wissenschaftskritik bezeichnen, auch wenn das sicherlich nicht immer ganz präzise ist.

Während meines politikwissenschaftlichen Studiums habe ich viel vom aktuellen Wissenschaftsbetrieb mitbekommen, da ich nicht nur meine Lehrveranstaltungen abgesessen habe, sondern mich auch in der Hochschulpolitik engagiert habe. Interne Strukturen, Reformvorhaben, Berufungsverfahren und viele andere Dinge aus dem Wissenschaftsbetrieb sind mir also gut bekannt.

Als Student habe ich mich mit dem, was mir als Wissenschaft vorgesetzt wurde, zuerst abgefunden. Ich war aber immer weniger begeistert von einigen Dingen, die ich in den nächsten Tagen und Wochen einmal zu beschreiben versuchen möchte.

Mir ist wichtig, hier klarzustellen, dass ich nicht gegen die Wissenschaft per se bin. Im Gegenteil: Forschung und Wissenschaft sind die Eckpfeiler unseres Fortschritts. Sie produzieren sehr gute Ergebnisse in fast allen Bereichen. Im Gegensatz zu religiösen Extremisten, die beispielsweise die Wissenschaft an sich nicht gut finden, weil sie ihren heiligen Schriften widerspricht, möchte ich eine konstruktive Kritik äußern.

Wissenschaft hat sich insbesondere seit Anfang des letzten Jahrhunderts sehr schnell entwickelt und ausdifferenziert. In diesem Prozess hat es einige Fehlentwicklungen gegeben, die aber die gesamte Wissenschaft nicht in Frage stellen, sondern nur Vorgehensweisen und Sitten in Teilbereichen. Da die Wissenschaft an sich in einem flexiblen Raum stattfindet, glaube ich, dass ein Wandel durchaus möglich ist.

Wer also an meiner Kritik der Wissenschaften interessiert ist, sollte in den nächsten Tagen und Wochen diesen Blog besuchen, dort werde ich in unregelmäßigen Abständen Beiträge zu einzelnen Kritikbereichen veröffentlichen.