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Jeans: Fair oder nicht fair?

Fabrikeinsturz in Bangladesch: Unnötige moderne Sklaverei

Er ging in den letzten Tagen durch die Medien: Der Fabrikeinsturz einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch, der 400 Menschen das Leben kostete und 2000 verletzte. Das ist schlimm und richtet den Blick aus dem Westen auf die Situation der Arbeiterinnen (und Arbeiter) in Bangladesch und anderen Entwicklungsländern.

Die Textilwirtschaft ist ein Wachstumsmotor für so ziemlich alle entwickelten Länder gewesen. Im Westen in 18. und 19. Jahrhundert, in anderen Ländern später. Sie beruht auf Arbeit, die nicht viel Ausbildung benötigt und vielen manuellen Tätigkeiten. Um den Preis zu drücken, wandert die Textilproduktion in die Länder mit den niedrigsten Lohnkosten. Steigen diese, wandert sie weiter. Das diktiert ihr der Markt. Momentan ist Bangladesch der Hauptort, neben anderen Entwicklungs- und Schwellenländern.

Was außen vor bleibt, ist die Moral und Fairness gegenüber den in dieser Branche tätigen Menschen. Die Arbeitszeiten sind viel zu lang, der Lohn zu niedrig und die Arbeitsbedingungen eine Zumutung. Selbst mit dem Mindestlohn können die Menschen in Bangladesch kaum überleben, in anderen Entwicklungsländern ist das ähnlich. Das alles sieht man aber nicht, wenn man die Kleidung im Westen kauft. Man sieht nur eine Marke und die Ware selbst.

Geiz tötet“ – so betitelt Gisela Burckhardt vom Verein Femnet ihren Artikel in der Zeit. Sie gibt den Verbrauchern eine Mitschuld an den Zuständen in den Fabriken, „denn sie wollen es billig“. Gleichzeitig hebt sie dieses Argument mit der Feststellung auf, der Lohnanteil betrage gerade einmal ein bis drei Prozent des Endpreises der Ware. Sicher sorgen Firmen wie KiK, Lidl, Aldi, NKD und viele mehr für Discountpreise. Aber was soll man von Marken wie Benetton halten, die ebenfalls in diesen Fabriken produzieren lassen, aber nicht zu den Billigheimern gehören?

Fakt ist doch, dass man als Verbraucher am Preis nicht erkennen kann, unter welchen Bedingungen die Ware wo produziert wurde. Der Modediscounter takko etwa beteiligt sich mit vielen anderen Unternehmen an der Fair Wear Foundation. Ob die Jeans also 9,99 Euro oder 99,99 Euro kostet, macht für die Fairness des Produkts oft keinen Unterschied. Die billige Jens kann sogar fair sein, während die teure es nicht ist.

Das Problem ist nicht der Geiz des Verbrauchers, sondern vielmehr die Gier der Auftraggeber. Die feilschen um jeden Cent und verkaufen ihre Ware am Ende meistens trotzdem teuer. Den meisten Verbrauchern dürfte es herzlich egal sein, ob ihr Kleidungsstück einige Cent bis einen Euro mehr kostet. Den Näherinnen und Nähern ist es nicht egal.

Es ist allerdings schwierig, komplett auf faire Produkte zu setzen. Teilweise kann man sie kaum erkennen, teilweise ist die Bedeutung der Siegel und die Kontrolle der Arbeitsbedingungen unklar. Ein Siegel sollte einen gewissen Qualitätsstandard sichern, tut dies aber auch nicht immer, insbesondere dann nicht, wenn der Auftragnehmer weit weg sitzt und vielleicht noch Subauftragnehmer hat. Zudem ist faire Kleidung durchaus zu einem Geschäftsmodell geworden, ähnlich wie Bio-Kleidung. Trotz der dann noch immer niedrigen Lohnkosten sind diese Kleidungsstücke in vielen Fällen erheblich teurer als herkömmliche Kleidung. Es scheint, als würde der Fairness-Aufschlag vervielfacht an den Verbraucher weiter gegeben. Das ist gegenüber dem Verbraucher unfair. Es sollte doch möglich sein, faire Kleidung zu fairen Preisen anzubieten. Ob die Textilbranche das begreift?

Es bleibt also zu hoffen, dass die Textilbranche umdenkt. Denn generell ist es nicht schlecht, Textilien in der dritten Welt zu produzieren, da dies dort die wirtschaftliche Entwicklung fördert. Es ist schlecht, dort Menschen massiv auszubeuten. Das muss nicht sein. Als Liberaler kann ich nur hoffen, dass die Textilwirtschaft das erkennt, sonst muss im Notfall eine staatliche Regulierung her. Das hilft den Toten und Verletzten nach dem Unglück in Bangladesch auch nicht. Aber ihren Kolleginnen und Kollegen in anderen Fabriken schon.