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Das falsche Bild der FDP von „Leistung“

Beim Verfassen meiner kurzen Kandidatenvorstellung für die Bürgerschaftswahl sind mir einige Gedanken gekommen, die die Kürze der Vorstellung deutlich gesprengt hätten. Ich habe sie auch weggelassen, weil sie eher theoretischer Natur sind. Hier sind sie aber.

Mit dem Begriff Postmaterialismus wird eine Gesellschaft beschrieben, die nach übergeordneten Zielen strebt. Materielle Güter wie Geld spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Familie, Glück, Freiheit, Selbstverwirklichung, Kultur oder Bildung sind höhere Ziele, die Menschen mit einer postmaterialistischen Einstellung erreichen möchten.

Im Prinzip ist eine postmaterialistische Lebenseinstellung äußerst liberal, denn das Individuum möchte sich ja selbst verwirklichen und in den meisten Fällen auch unabhängig sein und frei entscheiden können. Und: Eine solche Lebenseinstellung betrifft heutzutage alle Bevölkerungsgruppen.

Wenn die FDP also Slogans wie „Leistung muss sich lohnen“ oder „wir sind die Partei der Leistungsträger“ verwendet, so zeigt sie damit, dass sie große Teile der heutigen Gesellschaft nicht versteht. Leistung wird nicht mehr in Geld gemessen, Leistung findet nicht nur in der Wirtschaft statt. Zudem leisten Bürger unterschiedlich viel – weil sie schlicht und einfach unterschiedliche Fähigkeiten und Möglichkeiten haben. Auch ein Hartz IV Empfänger kann etwas für die Gesellschaft leisten, sein Beitrag ist halt nur anders als der eines Managers, der einen Dax-Konzern leitet. Weniger wert ist die Leistung des Hartz IV Empfängers deswegen aber nicht.

Den Leistungsträger, den die FDP ansprechen möchte, gibt es also kaum noch. Es ist kein Wunder, dass der typische FDP-Wähler aktuell männlich, wohlhabend und über 60 ist. In jüngeren Wählerschichten (unter 60) kann man mit einem antiquierten Leistungs- und Gesellschaftsbild keine Sympathien gewinnen. Verlorene Wähler wird man auch kaum zurückgewinnen können – es müssen auch neue Wähler gewonnen werden.

Da ich in der FDP aber immer wieder die gleichen Leistungsfloskeln oder Mittelstandsbegriffe höre, glaube ich, dass die Partei die Gesellschaft einfach nicht versteht. Die Gesellschaft hat sich in den letzten 20 Jahren massiv gewandelt, das Gesellschaftsbild vieler FDP-Funktionäre aber offenbar nicht. Das ist schade – so wird die FDP langfristig zu einem Dinosaurier.

Beitragsbild von rabanito via Flickr.

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