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Tipps für den Weinkauf im Supermarkt

Im letzten Dezember hat Peer Steinbrück gesagt, einen „Pinot Grigio“ für fünf Euro würde er nicht kaufen. Dies rief in der Öffentlichkeit viel Kritik hervor, denn in Deutschland wird die Flasche Wein für durchschnittlich 2,63 Euro verkauft. Das ist wenig Geld, wenn man einbezieht, dass davon 42 Cent Umsatzsteuer sind, für den Wein und die Flasche und den Verschluss und den Handel und den Transport bleiben dann gerade einmal 2,21 Euro übrig. Dass man dafür keinen vernünftigen Wein bekommen kann, sollte eigentlich klar sein.

Meine Erfahrung sagt mir, dass man ab etwa fünf Euro durchaus vernünftige Weine bekommen kann, wer bereit ist, bis 15 Euro pro Flasche auszugeben, bekommt oft schon ein gutes Produkt. Allerdings muss ein Wein für zehn Euro nicht besser sein als ein Wein für fünf Euro und auch in höheren Preisregionen gibt es schlechte Weine.

Wie also identifiziert man einen guten Wein im Supermarkt, wo man ihn, im Gegensatz zum Fachhandel, nicht probieren kann? Hier meine Tipps, die zumindest Anhaltspunkte für gute oder schlechte Weine geben können.

Keine großen Namen kaufen

Viele greifen in Supermärkten zu einem Bordeaux-Wein, da man diese als besonders gute französische Weine kennt und das Label mit Chateau XYZ gut aussieht. Es gibt auch große bekannte Herstellernamen wie Rothschild oder einen Wein aus der Werbung. Das wissen natürlich auch die Supermärkte und verkaufen diese Weine teuer. Ich persönlich habe noch nie einen solchen Wein im Supermarkt für unter 10 Euro gesehen, der sein Geld wirklich wert gewesen wäre. Also lieber die Chiantis, Riojas und Barolos im Regal lassen und für fünf Euro einen nicht so namenhaften Wein wählen.

Großer Name, großer Preis - Echtheitslabel eines Riojas

Großer Name, großer Preis – Echtheitslabel eines Riojas

Nicht vom Etikett oder der Flasche blenden lassen

Ein Etikett sagt über einen Wein oft nicht viel aus. Es gibt gute und schlechte, ansprechende und nicht so ansprechende. Die Aussagekraft über den Inhalt ist aber fast immer gleich Null. Gleiches gilt für die Flasche: Ob schwer oder leicht – über den Inhalt sagt die Flasche nichts aus. Teilweise werden Flaschen noch in ein Drahtgeflecht oder ähnliches gewickelt – das muss alles nicht sein. Der Inhalt ist wichtig.

Nicht auf Medaillen achten

Viele Weine schmücken sich mit Medaillen, meistens in der Rangfolge Gold, Silber und Bronze. Diese Auszeichnungen haben aber nur eine geringe Aussagekraft, denn oft stammen sie von kleinen lokalen Verkostungen. Wer es nötig hat, eine Silber- oder Bronzemedaille an seine Flasche zu kleben, möchte sicher nur einen mittelmäßigen oder schlechten Wein etwas aufpeppen. Etwas anders sieht es mit Punktebewertungen aus, die renommierte Größen wie Robert Parker und andere vergeben. Je nach Punkteschema ist ein Wein ab 90 oder ab 16 Punkten wirklich gut und wenn ein renommierter Experte oder ein bekanntes Magazin diese Punkte vergibt, ist das zumindest ein Anhaltspunkt.

Nach dem Hersteller suchen

Bei günstigen Weinen sucht man oft vergebens nach dem Hersteller. Meist steht auf den Etiketten nur „Produziert für“ oder „Abgefüllt durch“. Teilweise finden sich auch kryptische Kürzel auf dem Etikett, die keine Aussagekraft haben. Ein guter Winzer wird bei einem guten Wein immer seinen Namen auf das Etikett schreiben, steht dieser nicht drauf, kann man davon ausgehen, dass es sich um qualitativ minderwertige Massenware handelt. Es gibt allerdings keine Regel ohne Ausnahmen, denn einige Winzer verkaufen ihren Wein ohne ihren Namen günstig an den Handel, um Überproduktionen loszuwerden.

Herstellerangabe und Gutsabfüllung eines Weins aus Frankreich

Herstellerangabe und Gutsabfüllung eines Weins aus Frankreich

Nur abgefüllt für eine Firma, kein Hersteller erkennbar

Nur abgefüllt für eine Firma, kein Hersteller erkennbar

Steht das Jahr auf dem Etikett?

Jeder gute Wein hat einen Jahrgang. Im Geschmack sind die Jahrgänge oft sehr unterschiedlich. Ein guter Wein verfügt daher immer über eine Jahrgangsangabe.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Links ein 10€ Wein von Farnese ohne Jahrgang, rechts ein billiger spanischer Wein mit Jahrgang

Ausnahmen bestätigen die Regel: Links ein 10€ Wein von Farnese ohne Jahrgang, rechts ein billiger spanischer Wein mit Jahrgang

Irreführende Beschreibungen aufspüren

Ich habe es schon bei einigen Händlern gesehen, dass sie ihre Weine mit irreführenden Beschreibungen anpreisen. Dann heißt es z.B. der Bordeaux-Jahrgang XYZ war super toll, sagt Weinexperte XYZ. Das mag ja allgemein sein, aber ein schlechter Bordeaux wird auch im besten Jahrgang nicht unbedingt besser. Hier ist also Vorsicht angebracht: Bezieht sich das Lob wirklich auf den Wein, den ich vor mir habe?

Der Verschluss sagt wenig über einen Wein aus

Es gibt viele Weinverschlüsse, von Plastikkorken über Korken hin zu Glaspfropfen und Alu-Schraubverschlüssen. Die Art des Verschlusses hat aber nur eine geringe Aussagekraft über den Wein selbst. In Australien werden beispielsweise auch teure Weine oft mit einfachen Schraubverschlüssen verkauft. Gleichzeitig gibt es viele billige Weine, die mit einem Korken verschlossen sind. Ein Plastikkorken spricht oft für Einsparungen, der muss also nicht wirklich sein.

Schraubverschluss bei einem Wein aus Australien

Schraubverschluss bei einem Wein aus Australien

Nicht auf Bio-Wein achten

In den letzten Jahren gibt es bei Weinen den Trend, sie in Bio-Qualität zu produzieren. Leider sagt Bio nichts über den Geschmack des Weins aus. Ich habe manchmal den Eindruck, dass mäßige Weine zu Bio-Weinen gemacht werden, damit sie sich überhaupt verkaufen. Ich bin zwar kein Experte, aber da Weinbau sowieso mit viel Handarbeit einhergeht, sollte die Einführung eines Bio-Siegels nicht so aufwändig sein.

Nur eine Flasche kaufen und probieren

Wenn man sich zu einem Wein durchgerungen hat, sollte man nur eine einzige Flasche kaufen und diese dann in Ruhe probieren. Den letztlich ist es der Geschmack, der zählt. Ein Tipp: Ruhig einmal mehrere Flaschen nebeneinander öffnen und die Unterschiede vergleichen.