Kategorie-Archiv: Religion

Papst Benedikt XVI. aka Joseph Ratzinger

Der Papst tritt zurück – Hoffnung für die Zukunft?

Ich bin nun beileibe kein Katholik – im Gegenteil. Das, was die katholische Kirche verbreitet, halte ich größtenteils für nicht richtig. Die aktuelle Debatte zeigt, wie weit sich die katholische Kirche von der Realität abgekoppelt hat und wie wenig sie für Kritik zugänglich ist.

Frauen dürfen nicht abtreiben, auch nicht nach einer Vergewaltigung. Sie dürfen auch nicht die Pille danach nehmen – auch nicht nach einer Vergewaltigung. Kondome sind schlecht, das Zölibat ist die perfekte Lebensform für Priester. Ach ja, Frauen haben im Verkündigungsdienst nichts verloren. Dazu kommen noch die ganzen Sexskandale, der Missbrauch von Kindern und die Vertuschung dieser ganzen schlimmen Geschehnisse.

Die katholische Kirche verhält sich so, als wären große Teile ihrer Eliten im Mittelalter stecken geblieben. Dazu hat Benedikt der XVI. beigetragen, denn er galt schon bei seiner Wahl nicht als Reformer, sondern als Konservativer. „Wir sind Papst“ titelte die Bildzeitung. Aber was für einer?

Es ist zu befürchten, dass die Eliten in der katholischen Kirche weitermachen werden, wie schon in den letzten 2000 Jahren. Nach außen einen gewissen Schein wahren und nach innen alles so lassen, wie es schon immer war.

Damit bliebe die katholische Kirche ein Wirtschaftsunternehnen, das vorwiegend an den Geldern seiner Mitglieder und an Macht interessiert ist, sich aber zumindest intern nicht um Anstand, Moral, Recht und Gesetz oder gar die Menschenrechte schert. Und die Kirchenmitglieder? Schafe, denen man erzählt, was für sie gut ist und was nicht – egal ob es stimmt oder nicht. Dies lässt nur einen pessimistischen Blick in die Zukunft zu: Der neue Papst wird keine Person sein, der die Kirche radikal umformen und neu ausrichten wird. Zu groß wird die Angst der Kardinäle davor sein, Opfer eines solchen Papstes zu werden.

Es bleibt also lediglich zu hoffen, dass die Kirchenmitglieder begreifen, dass die katholische Kirche nicht das ist, was sie zu sein vorgibt. Dass ihre Auslegung der Bibel höchst beliebig ist (wie im Übrigen jede Bibelauslegung) und dass jedes Mitglied der katholischen Kirche das problematische Verhalten der Institution Kirche nicht nur duldet, sondern fördert.

„Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, würde Kant den Kirchenmitgliedern zurufen. Denn die kirchlichen Eliten sind zum Großteil weit vor der Aufklärung im Mittelalter stecken geblieben.

„Lebensschutz“ der Kirchen oder das Problem mit der Seele

Aus christlichen Kreisen hört man immer wieder von selbsternannten Lebensschützern. Diese setzen sich dafür ein, das Leben bedingungslos zu schützen, egal um welchen Preis. Das klingt auf den ersten Blick sehr gut, denn wer würde schon freiwillig zugeben, gegen das Leben zu sein?

Die Diskussion darum, wo eigentlich das Leben beginnt, wird schon seit Jahrzehnten geführt. Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand eine Bürgerrechtsbewegung, die sich für Abtreibungen einsetzte. Seitdem entzündeten sich am §218 des StGB immer wieder ein Konflikt, der sich in den letzten Jahren beruhigt hat, da Abtreibungen inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind.

Die Kirchen, insbesondere die Katholische Kirche, haben die Diskussion seit einiger Zeit mit einer extremen Definition des Lebens wieder belebt. Eine befruchtete Eizelle ist demnach schon ein Mensch. in der Talkshow „Günther Jauch“ erklärte Martin Lohmann, Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV, warum das so ist. In einer befruchteten Eizelle seinen schließlich alle Eigenschaften eines Menschen angelegt, sie müssten sich nur noch entfalten. Dies deckt sich durchaus mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, denn in einer befruchteten Eizelle steckt tatsächlich die DNA, aus der dann ein Mensch entsteht.

Sieht man die Eizelle als Menschen, so gilt für Christen natürlich das Gebot „du sollst nicht töten“ (eigentlich müsste es wohl eher „morden“ heißen). Damit hätte die Eizelle dann eine Seele, auf der wiederum die Erbsünde lasten würde. Wenn man diese Eizelle also tötet, besteht im Prinzip die Gefahr, dass die mit ihr verbundene Seele in die Hölle kommt. Das muss natürlich vermieden werden – deshalb der „Lebensschutz“.

Nur ist eine Eizelle überhaupt ein Mensch und hat sie eine Seele? Dies ist eine theologische und philosophische Fragestellung, auf die es momentan viele Antworten gibt. Wenn man sich von der wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lässt, kann man diese Frage aber relativ einfach und eindeutig beantworten.

In den Neurowissenschaften wird das Gehirn analysiert. Dies ist ein komplexer Prozess und komplexe Forschungsarbeit, da unser Gehirn sehr leistungsstark ist. Wir haben aber durch die Neurowissenschaften eine Idee davon, welcher Bereich in unserem Gehirn für was verantwortlich ist. Teilweise könnten wir das Gehirn sogar manipulieren. Wir wissen durch Beobachtungen, dass sich durch Gehirnschäden der Charakter eines Menschen verändern kann. Es deutet hier also nichts darauf hin, dass es eine Seele geben könnte. Im Gegenteil: Unser Gehirn macht uns zu dem, was wir sind. Wenn unser Gehirn tot ist, sind wir es auch. Das ist nach aktuellem Stand die Sichtweise, die am wahrscheinlichsten ist. (Dass es eine Seele nicht gibt, wird man wahrscheinlich nie beweisen können. Aber man kann auch nicht beweisen, dass es ein lila-grün gestreiftes fliegendes Einhorn nicht gibt.)

Wann entsteht also unser Gehirn? Im Mutterleib, werden viele denken. Dies stimmt auch. Aber nicht ganz. Denn auch nach der Geburt ist dieser Entstehungsprozess nicht abgeschossen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren werden Menschen sehr unfertig und hilflos geboren. Grund hierfür ist das große Gehirn, das im Mutterleib nicht abschließend entwickelt werden kann, das aber bei der Geburt schon über die meisten wesentlichen Funktionen verfügt.

Eine befruchtete Eizelle besitzt kein Gehirn, kein Bewusstsein, kein Gedächtnis und keine Persönlichkeit. Sie ist eine Zelle mit Erbgut. Nicht mehr und nicht weniger. Tötet man einen Menschen wenn man sie tötet? Nein. Man tötet die Chance, dass aus ihr ein Mensch wird. Ist das für die Eizelle schlimm? Nein, denn sie kann nichts spüren. Ist es schlimm, dass aus einer befruchteten Eizelle kein Mensch wird? Nein, denn aus den meisten Spermien und Eizellen wird auch kein Mensch.

Niemand sollte zu seinem Unglück gezwungen werden, etwa das Kind eines Vergewaltigers austragen und aufziehen zu müssen. Wer wirklich Leben schützen möchte, sollte die Eltern und Familien einbeziehen. Können und wollen die sich um ein mögliches Kind kümmern? Wird das Kind geliebt werden? Bekommt es die Chance auf ein gutes Leben? Nächstenliebe ist einfach mehr, als nur Eizellen zu schützen.